Sakralbauten

Tipp 1-Das Kloster der heiligen 40 Märtyrer in Saranda

Blick über die Klosterruinen nach Ksamil

„Auf den Hügeln im hinterem Teil Sarandas, doch etwas südlicher, befindet sich eine weitere Ruinengruppe“ Sie gehört dem byzantinischem Dorf Lëkurës. Dort sind eingestürzte Häuser und Kirchen zu bewundern, wo gute Freskenreste and den inneren Wänden noch erhalten sind. Es gibt dort auch eine wunderschöne türkische Festung, doch auch sie ist den Menschengesetzen unterzogen und hat dasselbe Schicksal wie die Kirchen erlebt, auf deren Ruinen sie aufgebaut war…. Von Lëkurës  aus kann man eine wunderschöne Landschaft geniessen. Vom Süden ist die Bucht von Saranda, das Ionische Meer und die schöne Insel Korfu zu sehen; gegenüber liegt die Halbinsel Sankt Georg auf deren Ende sich Butrint befindet; links der See von Vivar…“

So beschrieb der italienische Archäologe Luigi Maria Ugolini 1927 die Ruinen des Klosters der 40 Märtyer. Heute, 90 Jahre später, hat sich daran wenig geändert. Das Kloster wird gemeinhin ins 3. Jh. nach Christus datiert – als Pilgerort für römische Soldaten, die dort die 40 Legionäre verehrten, nach denen das Kloster genannt wurde. Der Legende nach, entstand der Kultus der Heilige 40 Märtyrer auf Grund des Opfers, das 40 Soldaten des Legio XII Fulminata der Garnison von Sebaste in der römischen Provinz Armenia während der Herrschaft des Kaisers Licinius (308-324) brachten. Gefangen genommen, wurden sie der Wahl ausgesetzt, zu konvertieren oder zu sterben.  als sie sich weigerten mussten sie sich völlig entkleiden und die Nacht auf einem zugefrorenen See zu verbringen. Am Ufer lockte ein geheiztes Badehaus diejenigen zu aufwärmen ein, die einsichtig waren und sich vom Christentum abwandten. Doch nur einer ging in das Badehaus; als er es betrat fiel er tot um. Einer der Soldaten wiederum, der die Christen bewachen sollte erblickte eine Lichterscheinung über ihnen und Bekehrte zum Christentum. Er entkleidete sich und stellte sich zu den frierenden. Als sie am nächste Morgen auf wundersamer Weise noch am Leben waren, wurden ihnen die Gliedmaßen gebrochen. Ihre Leichen wurden verbrannt in in die Asche in einem Fluss geworfen.

Das Kernstück des Klosters bildet eine noch im 3. Jahrhundert gebaute Basilika, deren Größe auf hohe finanzielle Aufwendungen und eine groß Zahl an Arbeitskräfte deuten; finanziert wurde der Bau von der Hauptkirche in Konstantinopel. Darüberhinaus deuten einige Inschriften auf den Mauern auf verschiedene private Stifter hin. Die auf den Ruinen diverser Vorgängerbauten errichtetet Basilika – oder was von ihr Ende des 20 Jh.s noch übrig war –, weisst gewisse Ähnlichkeiten mit andern Pilgerstätten der späten Antike und des frühen Mittelalters auf. Auf einer der Hauptrouten ins Heilige Land liegend entwickelte sie sich zur wichtigen  Zwischenstation für viele Pilger auf dem Weg nach Jerusalem. Die Ruinen des Klosters weisen einige Bäder und mindestens sechs Taufbecken nach sowie einer Vielzahl an Nischen, innerhalb der Kirche, wo Pilger beichten konnten, bevor sie getauft wurden.

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts war die verlassene Klosteranlage noch einigermaßen gut erhalten, wie Fotografien von Luigi Maria Ugolini aus den 1920er Jahren bewiesen – trotz schwere Schäden, die eine Explosion von dort von griechischen Militärs gelagerte Munition im Jahre 1878 verursacht wurden. Im 2. Weltkrieg wurde das Kloster abwechselnd von britische und deutsche Streitkräfte unter Beschuss genommen; bis Ende der 1980er Jahre fand die Anlage militärische Nutzung durch die albanische Volksarmee.

In den letzten Jahren wurden die unterirdischen Bereiche des Klosters restauriert; die dort geretteten kulturhistorischen Schätze können heute von Besucher und Touristen aus alleer welt besichtigt werden.

(Ylber Hysi)

Ylber Hysi hat 2016 einen zweisprachigen Klosterführer publiziert. Dieser ist im lokalen Buchhandel oder direkt vom Autor erhältlich. Der Autor steht auch für Führungen der Klosteranlage zur Verfügung: +355 (0)68 2249727; ylberhysi(a)yahoo.com

 

 

Tipp 2-Die Kirche des Heiligen Georg und des Heiligen Demetrius in Shipskë

Das kleine Dorf Shipskë liegt auf einer Bergseite, ca. 1 400 m ü.d.M., 25 km südöstlich der Stadt Korçë und 6 km nördlich vom Dorf Voskopojë (Moschopoli, eine Ortschaft, die ihre wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit im 17./18. Jh. hatte). Parallel zur einzigen schmalen Straße dorthin verläuft ein Bach, der im ältesten Teil des Dorfes entspringt. Die Umgebung besteht aus Wald (hauptsächlich mit Fichten). Das Dorf ist heute weitgehend zerstört, zu erkennen sind nur Steinruinen und halbwilde Obstbäume, meist Kirschen.

Man geht davon aus, dakirch shipske 2ss >Shipskë< soviel wie >Rote Rose< bedeutet und aus dem Slawischen abgeleitet ist: Shipak (slawisch) mit lateinischer Endung -isca (Shipakisca > Shipisca > aromunisch: ipisca, albanisch: Shipskë). Den roten Rosen begegnet man noch heute als Gestrüpp in der Region. Blütenblätter und Samen werden wie früher gesammelt, getrocknet und ein traditionales Getränk daraus hergestellt.

Die erste Erwähnung der Ansiedlung geht auf das 15. Jh. zurück. Die meisten Einwohner waren Aromunen orthodoxen Glaubens, die im Laufe der Zeit durch Handel die Region zur wirtschaftlichen Blüte brachten. Sie hielten Schafe und Rinder und lebten von der Viehwirtschaft. Im 17. Jh. existierten fast 200 Häuser mit Gärten und vielen Ostbäumen drum herum. Nach den ständigen Plünderungen Voskopojas durch osmanischen Truppen im 17. und im 18. Jh. verließen aber auchviele Bewohner von Shipskë ihr Dorf. Das leitete den langsamen Verfall ein. Berühmte Persönlichkeiten aus Shipskë waren: Anton Shipskioti (einer der Gründer des Klosters des Heiligen Johannes in Prodromos bei Vaskopoj 1632), Mihal lpiskoti (veröffentlichte den Text „Fünf und zehn Martyrer“ ), Dhimitër und Nikolla Argjiri, Athanas und Naum Derra, Nastor Gina, Anastas Kapedani und Jorgo Popovici (Gründer der griechi-schen Schule in Wien).

Es gab in Shipskë drei Ortskerne mit je einer eigenen Kirche, wobei die Kirche des Heiligen Georg die schönste war. Sie ist noch heute erhalten. Ihr vollständiger Name lautet Kirche des Heiligen Georg und des Heiligen Demetrius (deren Feiertage am 5. Mai und 16. Oktober sind). Am Eingangsportal, in einem Fresko, sind das Stifterpaar und daneben die beiden Heiligen zu Pferde abgebildet (der Heilige Georg auf einem weißen, der Heilige Demetrius auf einem roten). Das Paar beschenkt die Heiligen mit einer Kirche in Miniaturform.

Die Kirche aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gehört zu den Basiliken nach der spätbyzantinischen Zeit. Sie ist eine dreischiffige Kuppelbasilika, mit Steinplatten unter einem verborgenen Satteldach gedeckt. Im Naos (Hauptraum) sind Wandmalereien, eine Ikonostase (Trennwand aus geschnitztem Holz zwischen in-nerem Kirchenschiff und Altarraum, mit Ikonen geschmückt), Sitzbänke, Leuchter, ein Lesepult und ein Proskimitar (hohe Stelle, von der ein Priester seine Predigt hält) erhalten.

Der Kirchenbau befand sich vor der Restaurierung in einem schlechten Zustand. Die Schäden waren nicht nur durch Witterung, sondern auch bautechnische Fehler verursacht (so waren z. B. schwere Haussteinmauern auf den Kuppeln angelegt worden – wahrscheinlich, um diese nach außen entsprechend damaliger türkischer Anordnung zu verstecken, denn Kuppeln waren in der Regel nur Moscheen vorbehalten). Die Außermauer der Kirche war stellenweise zerstört und rundherum war viel Unkraut gewachsen. Zahlreiche technische Untersuchungen durch ein Team aus Architekten, Bautechnikern, Topografen, Restauratoren und Hilfskräften ergaben verschiedenartige Schäden: Einige waren bald nach Fertigstellung des Baues entstanden (zahlreiche Risse und Abspaltungen an der Kuppel-und Seitenmauer wegen des schweren Gewichts), andere wie die an der nördlichen und südlichen Mauer im Naos stammten aus späterer Zeit (im Naos entdeckte man Trennwände zwischen den Säulen – vielleicht zum Schutz gegen das Abstürzen der Kuppeln und Bögen). Die kleine Kapelle des Heiligen Nikolaus, die nachträglich an die südliche Mauer des Naos gebaut worden war, war ebenfalls im schlechten Zustand; sie hatte ein Dach aus minderwertigem Kunststoff als >Schutz< erhalten.

kirch shipske

Ikonostase im Naos der Kirche

Im Zuge der Restaurierung wurden die schweren Haussteinmauern von den Kuppeln entfernt, die Oberflächen gereinigt und die Abdeckung nach dem Vorbild der anderen alten Kirchen in Voskopojë wieder mit Steinplatten angefertigt. Die Trennwände im Naos wurden entfernt und ein Teil der originalen Wandmalerei darunter freigelegt, die Säulen aus dem gleiche Stein ergänzt und stabilisiert. Der Turm an der Ostseite, ebenfalls in einem sehr schlechten Zustand (ein Teil des Fundaments hatte sich gesenkt, die Folge war eine Deformation und Verdrehung um die Achse), wurde nach Nummerierung und Fotografien Stein für Stein zerlegt und neu aufgebaut. Alle Wandmalereien im Naos, Eingangsportal und Narthex (Eingangshalle) wurden sorgfältig restauriert. Dis lkonostase – vom Insektenbefall beschädigt – wurde restauriert und mit neuen Ikonen bemalten (die Originale sind seit 1980 im Besitz des Nationalen Museums für mittelalterliche Kunst in Korça). Auch ein Teil des Mobiliars wie Sitzbänke, Leuchter, Lesepult wurden teilweise ergänzt, Fenster, Türen, Steinboden und Treppe erneuert.

(Kliti Kallamata)

 

Tipp 3-Wallfahrtslac3ort: Kirche des heilige Antonius in Laç

Als es die Autobahn nach Shkodra noch nicht gab, wurde Laç, das Zentrum des Kreises Kurbin, meistens schnell durchfahren. Die Stadt macht keinen anziehenden Eindruck und als einziges Fotomotiv galt manch einem Touristen das bizarr zerfallende Chemische-Metallurgische Kombinat an der Hauptstraße, das seit 1990 vor sich hin rottet. Dennoch bietet der kleine Ort mit rund 25.000 Einwohnern eine Sehenswürdigkeit, die kaum ein Fremder kennt: die Kisha e Shna Ndoit, ein unter Albanern sehr bekannter und beliebter Wallfahrtsort. Die Pilgerstätte liegt etwas außerhalb von Laç östlich in Richtung der Berge. (Man muss nach dem Weg fragen.) Natürlich waren das Kloster und die Wallfahrtstätte vor dem zweiten Weltkrieg bereits sehr bekannt und besucht. Offenbar wurde die gesamte Anlage aber im Kommunismus zerstört. Wie alle religiösen Betätigungen waren natürlich auch Wallfahrten zu heiligen Stätten verboten. Heute werden die nach 1990 neu errichtete Kirche und die dortigen Felsen und Grotten wieder täglich von zahlreichen Albanern, jung und alt besucht: Die mit zahllosen brennenden Kerzen bestückten Felsen enthalten die Wünsche und Bitten vieler Menschen, die fest an die Wundertätigkeit dieses Ortes glauben. Die Besucher sind keineswegs ausschließlich Katholiken, sondern ebenso gut wundergläubige Moslems und andere.

Am 13. Juni, dem Jahrestag des Heiligen, wallfahrten Tausende dorthin. Bereits am Fuße des Berges gibt es zahlreiche Verkaufsstände mit Devotionalien und Essbarem. Schon hier liegen die ersten Weihegaben auf den Felsen ringsum. Am Eingang des langen Pilgerweges fordert ein Schild (siehe Foto unten rechts) zu Hingabe, Ruhe und Artigkeit auf, Handel, Waffen und Musik, die einen anderorts stets umgeben, sind hier verboten. Der breite, gut ausgebaute Weg führt an einem steilen Abhang entlang und ist lac4mit einem Geländer gesichert. Auf dem Platz vor der kleinen Kirche und dem Kloster steht neben einem großen Kreuz das Denkmal des heiligen Antonius von Padua mit dem Christuskind auf dem Arm. Auf der danebenliegenden treppenartigen Gebetsstätte häufen sich die kleinen Kerzen und Weihegaben. Der tiefe Ernst der vielen Gläubigen, mit der sie ihre Gebete sprechen und Wünsche und Sorgen vortragen, vermittelt dem Besucher einen Eindruck von der Gemütslage vieler Albaner, die sonst nicht wahrgenommen wird. Dazu gibt es dann die Segensformel: „Të ndihmofte Shna Ndoi“.

(Jochen Blanken)

 

Tipp 4-Kirche und Kloster von Marmiroi bei Orikum

Das kleine Kloster von M05-03-26-Oricum-Marmirroji-6 [1773675]armiroi erhebt sich etwas versteckt, aber beim Näherkommen verwunschen-romantisch auf einem kleinen Hügel, direkt vor den hohen Bergen, die sich in die ganze Karaburun-Halbinsel hineinziehen. Die der Maria geweihte Kirche lässt sich sowohl von dem heutigen Ort Orikum aus ansteuern, etwa 5-6 km über Feldwege, oder auch direkt vom Ufer des Golfes von Dukat aus. Diese schönere Strecke führt bis kurz vor das Tor des Marinestützpunktes Pashaliman und dann über einen Feldweg links durch eine kleine sehenswerte Lagune. Bei meinem Besuch saßen dort auf vermoderten Baumstrünken dutzende von Silberreihern. Man erblickt von dort aus die Kirche mit ihrem Turm bereits von weitem. Bei ihr hande lt es sich um eine byzantinische Kreuzkuppelkirche mit einem sehr hohen, weit sichtbaren Kuppeltambour. Leider ist die Kirche normalerweise geschlossen, vielleicht  lässt sich aber in Orikum ein Schlüssel bekommen. Guntram Koch spricht von „geringen Resten von Fresken von hoher Qualität“, womöglich gar aus dem frühen 14. Jhd.

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Silberreiher

Über die Datierung der Kirche gehen die Meinungen auseinander: Guntram Koch (1989) und H. Buschhausen (1976) datieren sie auf Grund des verwendeten Materials und der Form des Schächtelmauerwerks in das frühe 10. Jahrhun dert. Damit wäre sie eine der ältesten Kirchen Albaniens. Dem widerspricht jedoch der albanische Spezialist für Byzantinistik, Aleksandër Meksi, der frühere albanische Ministerpräsident, (2004) scharf. Wegen der Kuppelform und der Ähnlichkeit mit bulgarischen Kirchen stamme die Kirche aus dem 12. bis 13. Jahrhundert. Erwähnt wird sie zum ersten Mal wohl erst 1307. Über das Alter und die Funktion des sie umgebenden kleinen Klosters habe ich keine Angaben gefunden. Auf jeden Fall lohnt sich, schon allein des Weges wegen, ein Besuch bei dieser unbekannten, doch wunderschönen Kirche in einer herrlichen Naturlandschaft.

(Jochen Blanken)

 

Tipp 5-Die Tekke von Qesatekke von qesarakerake

Die Umgebung von Korça ist reich an baulichen Denkmälern verschiedener Religionen. Das wurde nach dem Sturz der kommunistischen Herrschaft immer deutlicher, da eine Rückbesinnung auf die kulturellen Wurzeln und eine Bewegung des Schutzes auch religiöser Denkmäler eingesetzt hat. Neben sichtbaren Zeugnissen des Christentums (in dieser Region griechisch-orthodox) existieren auch Überbleibsel einer Glaubensrichtung, die mit der osmanischen Okkupation und Islamisierung des Balkan in Albanien Fuß gefasst hat: die des Bektaschi-Ordens.

Das Bauwerk, um das es hier geht, erreicht man auf dem Weg nach Erseka, hinter dem Pass Qafa e Qarrit (ca. 50 km von Korça entfernt, davon die letzten 22 km unasphaltiert). Es handelt sich um eine Tekke, also eine Art Kloster. Es ist, architektonisch gesehen, in Form eines Konus gebaut, der mit einem Kuppeldach abschließt. Ursprünglich bestand es aus 2 Stockwerken, was ein altes Foto vom Anfang des 20. Jh. beweist. Den Namen hat es vom Dorf Qesarake übernommen, das hier früher ein großer Marktflecken war und den umliegenden Dörfern als Versammlungsort diente. Der Stifter und „Bauleiter“ der heutigen Gebäudereste war Baba Shaban, die Bauarbeiten gehen schätzungsweise auf die Jahre 1862 bis 1865 zurück.

Die rundführende Mauer ist ca. 1,5 m dick. Ihre äußere Schicht besteht aus quadratischen, gut bearbeiteten und stellenweise mit Ornamenten verzierten Steinen. Der Innenraum ist nicht unterteilt, hoch und wirkt sehr monumental. Das wird durch zwölf nebeneinander, elegante Pilaster (Wandpfeiler) noch betont. Das originale Kuppeldach aus gegossenem Blei und das oberste Stockwerk sind – zeitlich nicht genau einzuordnen – zerstört worden. Später wurde auf den Rumpf – wohl zum Schutz gegen die Witterung – ein minderwertiges Holzdach gesetzt. Dennoch sind die Schäden unübersehbar: So sind im heutigen Zustand erhebliche Schäden in der Mauer mit verschiedenen Rissen, Abspaltungen und hohlen Stellen erkennbar entstanden (siehe Foto unten).

Bei einer früheren, zeitlich nicht bestimmbaren Erhaltungsmaßnahme wurde versucht, den endgültigen Zerfall des Mauerwerks durch das Setzen und Fixieren einer riesigen Metall-Manschette um das ganze Gebäude zu stoppen. Derzeit sind weitere konservatorische Maßnahmen geplant. Hierfür gibt es zwei Optionen: zum einen eine aufwendige, teure, die das vollständige Abtragen des Mauerwerks und einen Neuaufbau nach dem alten Vorbild zur Folge hätte; zum anderen eine weniger aufwendige, an die bisherigen Maßnahmen anknüpfende Stabilisierung mittels Injektionen etc., deren Kosten überschaubar sind. Ansprechpartner für all diese Maßnahmen ist der Architekt und Konservator Kliti Kallamata in Korça.

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Schäden am Mauerwerk

Unbestritten ist dieses Baudenkmal ein wichtiges Zeugnis für Albaniens Kulturgeschichte, die von sehr verschiedenen Einflüssen geprägt wurde. Neben dem Katholizismus im Norden, der griechischen Orthodoxie im Süden und der sunnitischen Orthodoxie des Islam waren es vor allem Derwischorden, die unter der osmanischen Herrschaft hierher kamen. Darunter nehmen die Bektaschis insofern eine Schlüsselstellung ein, als sie bei der nationalen Identitätsbildung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Rilindja genannt) aktive Helfer waren. Ihr Auftreten in Albanien wird für 1600 als sicher angenommen und ist verknüpft mit dem Wirken von Haxhi Baba, der ursprünglich aus Iran stammte und für manche als erster Vertreter des Bektaschitums in Albanien gilt. Er gilt als Begründer der Tekke von Qesarake und ist mit seinem Bruder Ali Baba – beide starben am gleichen Tag – und einem dritten Derwisch neben der Tekke begraben.

(Helga Theodhori)

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