Reisetipps im Kosovo

Kosovo ist – im Gegensatz zu Albanien, welches nach wie vor aber völlig zu unrecht als „weißer Fleck“ beworben wird – tatsächlich noch ein touristisches Niemandsland. Es wird seitens der dafür zuständigen Institutionen noch wenig Kraft in die Werbung des Landes als touristische Destination investiert. Bisherige touristische Angebote – in der Regel organisierte Busreisen – beschränken sich auf Rundreisen von drei bis vier Tagen, oft als Teile einer Albanien- oder Balkanrundreise. Auf einer unserer jüngsten Veranstaltungen zum Thema Tourismus im Kosovo waren sich auch alle Landeskenner einige, dass – insofern man keine ausgedehnte Wanderung plant – man sich in der Tat schwer tun würde, ein touristisches Programm von mehr als drei bis vier Tage mit Inhalte zu füllen.

Nichtsdestotrotz gibt es einiges zu entdecken im jüngsten Staat Europas. Unsere Autorinnen haben hier einige ganz persönliche Tipps zusammengestellt, die Sie auf Ihrer Kosovoreise – sei es die erste oder auch nur die nächste – keinesfalls verpassen sollten.

 

Tipp 1 – Burimi i Drinit
burimi i bardheWer keinen Ausflug zum „Burimi i Drinit“ wagt, wird die Schönheit Kosovos nicht umfassend erfahren können. Die Quellen des Drin Flusses und insbesondere seine vielen Wasserfälle, machen das Dorf Radavc zu einem beliebten Ausflugsziel. Sogar die Städter aus Prishtina oder Prizren suchen hier einen Ort der Ruhe. Es lässt sich eindrucksvoll das wilde Naturspiel des Weißen Drins beobachten. Er entspringt nahe dem Dorf Radavc nördlich von Peja – quasi an der Grenze zu Montenegro – aus einer Gebirgsquelle. Das Dorf lässt sich problemlos mit dem Auto erreichen. Man fährt von Peja weniger als 20 Minuten nach Radavc, es sind also kaum mehr als 10 km. Es fahren auch mehrmals täglich Busse von Peja nach Radavc. Falls man einen Bus nach Radavc verpassen sollte, kein Grund zur Sorge. Viele weitere Busse verkehren von Peja nach Novosellë. Dieses kleine Örtchen liegt kurz vor Radavc (ca. 2 km) und ist nur einen Fußweg von 35 Minuten zu „Burimi i Drinit“ entfernt. Also bequeme Schuhe anziehen und loslaufen! Die Wege sind alle gut ausgeschildert, sodass man nicht verloren gehen kann. Wer es gerne gemütlicher mag, steigt in eines der Taxis, die in Novosellë an der Busstation warten. Hat man nun Radavc erreicht, würde ich jedem, der etwas von gutem Essen versteht, raten dem Restaurant „Trofta i Drinit“ einen Besuch abzustatten. Die Fischgerichte dort sind berühmt berüchtigt und werden gerne bestellt. Natürlich findet man noch weitere Restaurants, die zum Essen und Trinken einladen. Wer sich im Restaurant noch nicht satt gegessen hat und lieber sein Essen in der freien Natur zu sich nimmt, hat die Gelegenheit, bei den Wasserfällen zu picknicken. An den Wasserfällen gibt es nämlich viele schöne Plätzchen, die förmlich dazu einladen seine Seele baumeln zu lassen – gerne mit einem schönen Buch. Genau so und nicht anders, stelle ich mir Entspannung vor – das Geräusch des Wasserplätscherns im Hintergrund inklusive. Ich rate jedem, der vor hat,  Kosovo zu bereisen, sich auf dieses Erlebnis einzulassen und einen Tagestrip  zum „Burimi i Drinit“ auf jeden Fall einzuplanen. Die Mühe ist es nämlich wert – versprochen.

(Elizabeta Berjani)

 

Tipp 2 – Via Ferrata Ari
DSCF2845Der Klettersteig „Via ferrata Ari“ in Rugova ist ein absolutes Highlight für Freizeitkletterer.

Die Arbeiten beim 5. Kilometer der Rugova-Schlucht begannen auf Initiative von Pejas Alpinistenverein „Marimangat e Pejes“. Unterstützung erhielten sie hierbei von italienischen Experten, die nicht nur ihre Expertise im Anlegen von Klettersteigen sondern auch Material mitbrachten. Im Frühling 2014 konnten dann die ersten Neugierigen die Schlucht erklettern.
Die Tour startet am Fluss Lumbardhi e Pejes etwa fünf Kilometer nach dem Eingang der etwa 1000 Meter tiefen Schlucht. Anfangs musste der Fluss noch in Wathosen überquert werden, aber seit Herbst 2014 kommt man trockenen Fußes auf die andere Seite – dank der neuen Stahlbrücke nach tibetischer Bauart.
Die nächste Herausforderung auf dem Weg zum Beginn der Via Ferrata Ari ist die steile Böschung am Fuß des Berges, die durch die fleißigen Jungs und Mädels vom Marimangat e Pejes durch eine aus Holzbrettern und Erde in ihrer Steigung entschärft wurde, damit man nicht durch rutschendes Geröll den Halt verliert und abrutscht. Am vorläufigen Ende dieses steilen Aufstieges befindet sich die erste Höhle, in der eine kurze Rast für das Anlegen der Klettergurte eingelegt wird. Ab hier beginnt der eigentliche Klettersteig.
DSCF3070Die Karabiner am Klettergurt werden in ein im Berg verankertes Stahlseil eingeklinkt und dann geht es auch schon los. Zunächst am Berg entlang, das Stahlseil als Handlauf, den Fels unter den Füßen bis zur zweiten Höhle, die in früheren Zeiten als Behausung gedient hat, was an den Überresten der gemauerten Front mit ihren Aussparungen für Fenster und Tür noch gut zu erkennen ist. Schon von hier aus ist der Später geht es über im Berg verankerte Sprossen und Felsvorsprünge den Berg hinauf weiter zur dritten und größten Höhle der Klettertour, die wie ein kleiner Festsaal mit Kuppel anmutet. Nach einer kurzen Rast geht es weiter und man erklimmt den Fels weiter mittels der Stahlsprossen, wo man an die herausforderndste Stelle der Kletterroute gelangt: Mitten in der Kletterstrecke, die sich bis dahin wie eine Leiter erklimmen ließ, ragt ein Felsvorsprung hervor der einen Abstand von über einem Meter zwischen zwei Sprossen verursacht. Hier sind Gelenkigkeit und Kraft gefragt, um den Vorsprung zu überwinden und die darauffolgende Sprosse zu erreichen. Nach dieser Kletterpartie erreicht man eine kleine Wiese von der man einen atemberaubenden Blick über die Rugova-Schlucht hat, in der sich der Lumbardhi e Pejes sanft durch das Gestein schlängelt. Vor der endgültigen Fertigstellung der Via Ferrata Ari im September 2014 musste hier umgekehrt und zurückgeklettert werden – inklusive des beschriebenen Felsvorsprungs. Nach einer Rast geht es abwechslungsreich weiter, mal wie eine steile Wanderung, mal am Fels kletternd, zur vierten und letzten Höhle der Via Ferrata. Vor dieser Höhle befindet sich wieder eine Wiese, die sich als Rast- und Ausguckplatz anbietet. Von dort aus kann man über die Stadt Peja bis weit in die Dukagjini-Ebene blicken. Anschließend geht es weiter zu einem kleinen, von Marimangat e Pejes angelegten, Rastplatz, an dem die Klettergurte ausgezogen werden können. Die Via Ferrata Ari ist geschafft! Auf dem schattigen Platz kann man Kräfte für den Abstieg in die Schlucht sammeln, der nun bevorsteht. Der Wanderweg hinunter führt mal über Geröll, mal durch ein Wäldchen, bis zu Te Sharra, einer beliebten Badestelle am Fluss nahe dem Eingang zur Schlucht. Dort kann man das Abenteuer dann bei einem kühlen Birra Peja würdig ausklingen lassen.
DSCF3077Die Tour selbst dauert ungefähr drei Stunden und hat leichte bis anspruchsvolle Abschnitte. Dank der Stahlsprossen und des Sicherungsstahlseiles ist es aber auch Menschen, die noch nie geklettert sind, möglich, diese Herausforderung zu meistern. Es wird in jedem Fall empfohlen, nicht auf eigene Faust loszuklettern, sondern einen Guide zu buchen. Dieser kann auch das Equipment – Helm, Klettergurt mit Karabinern und Kletterhandschuhe – gegen Aufpreis mitbringen. Die Guides sind in mehreren Schulungen vom Deutschen Alpenverein (DAV) unterwiesen worden und sind auch für den Notfall ausgebildet. Festes Schuhwerk, wie Wanderschuhe, und lange Hosen sollten unbedingt zur persönlichen Vorbereitung gehören, ebenso wie der Sonnenschutz. Bei einer Klettertour dieser Länge sollte auch unbedingt an ausreichend Proviant gedacht werden: eine 1,5l-Flasche Wasser und ein, zwei belegte Brote müssen mit! Es gibt in Peja einige Bäcker, die leckere Sandwiches zum kleinen Preis von 0,50 € verkaufen und auch Sonntagmorgen früh öffnen.

Die Rugova-Schlucht ist ein riesengroßer „Abenteuer-Spielplatz“ und mit der Via Ferrata Ari haben die Jungs und Mädels vom Marimangat e Pejes bewiesen, dass sie das Know-How und die Kreativität besitzen, Pejas Gästen ein tolles Abenteuer in einer wunderschönen Landschaft zu bieten. Derzeit arbeiten sie an einem weiteren Klettersteig und die Fotos der Arbeiten am Berg lassen Spektakuläres ahnen.
Guides können über die Webseite von Marimangat e Pejes kontaktiert werden.

(Mandy Bernthäusl)