albanien-dafg.de    Freundschaft mit Albanien hat einen Namen: DAFG                                                                                        
:: Daten, Namen, Fakten
In unserem Archiv können Sie noch die Chronik der letzten Jahre nachlesen. 
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Januar 2010

1.Mutter–Teresa-Jahr: Der kosovarische Präsident Fatmir Sejdiu erklärt das Jahr 2010 zum „Jahr der Mutter Teresa“. Ihr Geburtstag jährt sich 2010 zum 100. Mal. Er habe diesen Schritt nach sorgfältiger Beratung mit Vertretern der Wissenschaft, Kultur und Religion unternommen. – Der Kult um Agnes Gonxhe Bojaxhiu stößt unter muslimischen Albanern auf Vorbehalt; sie sehen darin einen katholischen Missionierungsversuch.
2. Ausnahmezustand im Norden: Die Regierung ruft für die Überschwemmungsgebiete im Norden zwischen Durrës und Shkodra den Ausnahmezustand aus.
3. Spekulationen um Neuwahlen in Kosovo: Wegen der Auseinandersetzungen zwischen den Koalitionsparteien PDK und LDK nach den Kommunalwahlen im November wird über vorgezogene Neuwahlen spekuliert. Eine Neuauflage der Koalition wird dabei ausgeschlossen; die AAK des früheren Regierungschefs Ramush Haradinaj lehnt eine Koalition mit der PDK ab und will sich Partner im rechten Lager, z.B. die LDK, suchen.
3. Kein Unterricht in Shkodra: Das Bildungsministerium verschiebt wegen der Überschwemmungen den Wiederbeginn des Unterrichts an den Berufsschulen und der Universität in Shkodra vom 5. auf den 15. Januar, weil viele obdachlos Gewordene in den Gebäuden untergebracht sind.
3. Neuer Feiertag, aber Mehrarbeit: Mit Inkrafttreten einer Gesetznovelle über die Feiertage wird in Albanien der 8. Dezember als Tag der Demokratiebewegung Feiertag, aber zugleich wird eine Bestimmung der sozialistischen Regierung gestrichen, dass der Montag arbeitsfrei ist, wenn ein Feiertag auf das Wochenende fällt. Damit ist der 4. Januar (ein Montag) letztmalig als Ausgleich für den 2. Januar (Samstag) für den öffentlichen Dienst frei; das Gesetz vom 23.12.2009 war noch nicht in Kraft getreten.
6. Banknoten außer Kurs gesetzt: Die Staatsbank erklärt mit Wirkung zum 30.6.2010 zwei 500-Lek-Scheine für ungültig (Motive: Frau mit Sonnenblume und Naim Frashëri). Der einzige Schein mit diesem Nominal, der in Kurs bleibt, ist der mit Ismail Qemali. Die Scheine können nur noch bis Jahresende bei der Bank von Albanien umgetauscht bleiben.
6./7. Tadic in Kosovo: Der serbische Präsident Boris Tadic besucht Kosovo anlässlich des serbisch-orthodoxen Weihnachtsfestes; er übernachtet im Kloster Decan. Die kosovarische Regierung hatte dem Besuch unter der Bedingung zugestimmt, dass er ausschließlich religiösen Charakter habe; dennoch wird sie von der Opposition kritisiert.
8. Mesic in Kosovo: Der scheidende kroatische Präsident Stepan Mesic wird in Prishtina von seinem Kollegen Sejdiu mit der Goldenen Unabhängigkeitsmedaille ausgezeichnet.
8. Frankreich reduziert KFOR-Kontingent: Frankreich verringert seine KFOR-Beteiligung von 1.300 auf 800 Mann; Präsident Sarkozy verweist auf die drängendere Lage in Afghanistan.
9. NATO-Hilfsoperation – Auch Kosovo spendet: Die NATO beginnt mit Hilfstransporten in die überschwemmten Gebiete Nordalbaniens; Nahrung, Medikamente, Kleidung und technisches Gerät werden über Griechenland in das Überschwemmungsgebiet um Shkodra transportiert. – Auch die kosovarische Regierung stellt 200.000 € zur Verfügung.
10. Eklat bei griechischer Minderheit: Bei einer Veranstaltung zum 19-jährigen Bestehen des griechischen Minderheitenverbandes OMONIA in Derviçan wird dem der Minderheit angehörenden Sozialminister Spiro Ksera (PD) das Recht verweigert, ein Grußwort zu halten. Nur der OMONIA-Vorsitzende Priamo Bollano, der Chef der PBDNJ, Vangjel Dule, und der Dorfbürgermeister Dhimitër Maluqi erhalten das Wort.
10. Serbischer Minister aus Kosovo ausgewiesen: Der in der serbischen Regierung für Kosovo zuständige Minister Goran Bogdanovic wird in Shterpcë von der Polizei festgenommen und abgeschoben; ihm war ein Einreisevisum verweigert worden. Bogdanovic bezeichnet sich selbst als gebürtigen Kosovaren, der kein Visum benötige, und sieht in seiner Behandlung den Beweis für die fehlenden Bürgerrechte in Kosovo. Die EU-Mission erklärt die Ausweisung für rechtens. Die serbische Regierung protestiert bei einer Reihe von Staaten gegen die Behandlung des Ministers.
13. Mauretanien erkennt Kosovo an: Als 65. Staat erkennt die Islamische Republik Mauretanien Kosovo völkerrechtlich an; es ist die erste Anerkennung im neuen Jahr.
15. Verfassungskonflikt um Minderheiten: Zwischen Montenegro und Kosovo bricht ein Streit um die gegenseitige Anerkennung der Minderheiten aus. Kosovo will in seiner Verfassung nicht ausdrücklich eine montenegrinische Minderheit anerkennen, die sie als Teil der Serben sieht; daraufhin droht die montenegrinische Seite damit, der albanischen Volksgruppe im Südosten die Anerkennung zu entziehen. – Der gleichzeitige Botschafteraustausch ist davon nicht betroffen.
16. Çamen-Parteien vor Fusion: Die Vorsitzenden der beiden politischen Vertretungen der Çamen (der aus Griechenland vertriebenen albanischen Muslime), Tahir Muhedini (PDI) und Shpëtim Idrizi (PDU), verständigen sich auf einen Zusammenschluss der beiden Parteien. Im Juni 2009 hatte die PDI ein Mandat errungen; der Abgeordnete hatte allerdings mit dem bisherigen PS-Abgeordneten Idrizi mit der PDU eine neue Partei gegründet.
16. Regierung aufgebläht: Aus Koalitionsrücksichten wird in sechs albanischen Ministerien die Zahl der Vizeminister (Staatsekretäre) von zwei auf drei erhöht; die Posten gehen überwiegend an Vertreter von LSI, PBK, PLL und LDK. Die Zahl der Vizeminister erreicht mit 35 einen neuen Rekord.
19. Fußballer Pano tot: Die frühere albanische Fußballnationalspieler Panajot Pano stirbt in den USA. Der am 7.3.1939 in Durrës geborene Pano war bei Partizani Tirana aktiv und spielte 25mal für die Nationalmannschaft. 2004 wurde er zum bedeutendsten albanischen Spieler des 20. Jahrhunderts gewählt.
20. Annäherung PD-PS?: Unter dem Druck der EU senden Edi Rama (PS) und Astrit Patozi (Fraktionschef der PD) Signale der Verständigung. Rama schlägt einen Runden Tisch vor, Patozibietet an, einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Klärung von Unregelmäßigkeiten der Wahlen vom Juni 2009 einzurichten. Damit sollen die Voraussetzungen für eine Aufgabe des Parlamentsboykotts der PS geschaffen werden.
20. KKW für Albanien?: Die Regierung gründet eine Nationale Atomagentur zur Vorbereitung eines möglichen Baus eines Kernkraftwerks in Albanien. Sie will die Abhängigkeit von Hydroenergie beenden. Wegen der dichten Besiedlung Albaniens und aus geotektonischen Gründen (es gibt häufig Erdbeben) gibt es schwere Bedenken gegen ein Atomkraftwerk.
20. Makedonisch-Unterricht für Albaner vernachlässigt: Nach Angaben einer makedonisch-albanischen Lehrerorganisation wird in vielen Schulen mit albanischer Mehrheit der ab der 1. Klasse obligatorische Makedonisch-Unterricht nicht erteilt.
20. Übersetzer Pashko Gjeçi gestorben: Im Alter von 92 Jahren stirbt Pashko Gjeçi, ein bekannter Übersetzer ins Albanische. Der am 7.9.1918 in Shkodra geborene Jesuitenzögling übersetzte Dante, Leopardi, aber auch Goethe und Homer. Wegen seiner Kontakte zu Ernest Koliqi wurde er nach dem Krieg zu Gefängnis verurteilt.
21. Steuerentlastung für Privatschulen: Das Parlament billigt ein Gesetz, wonach private Bildungseinrichtungen ab dem 1. Oktober nicht mehr der Mehrwertssteuer unterliegen.
22. „TEMA“ eingestellt: Die seit 11 Jahren erscheinende konservative Wochenzeitung TEMA (Das Thema) stellt ihr Erscheinen ein. Der Herausgeber Mero Baze teilt in der letzten Nummer mit, die finanziellen Verhältnisse machten ein weiteres Erscheinen unmöglich, zu der Pressionen der Regierung maßgeblich beigetragen hätten. Die Regierung weist die Vorwürfe zurück.
22. Irinej neuer Patriarch: Zum Nachfolger von Patriarch Pavle wird Miroslav Gavrilovic bestimmt. Er wurde unter den drei Bewerbern mit der höchsten Stimmenzahl ausgelost. Er war unter dem Namen Irinej seit 35 Jahren Bischof von Nis. Sein Titel „Metropolit von Belgrad und Karlovci, Erzbischof von Pec und serbischer Patriarch“ schließt Kosovo mit ein (serb. Pec = alb. Peja); Irinej gilt jedoch nicht als Scharfmacher wie sein Gegenkandidat Erzbischof Amfilohije.
22. Nano siegt gegen L’Espresso: Ein Gericht in Rom verurteilt das Nachrichtenmagazin „L’Espresso“ zu drei Mio. € Schadenersatz an den früheren sozialistischen Ministerpräsidenten Fatos Nano wegen eines Artikels aus dem Jahr 2002, in dem er als „Pate von Albanien“ und Hintermann des organisierten Verbrechens bezeichnet wurde. Die Redakteurin und drei Journalisten werden wegen Verleumdung zu jeweils 18 Monaten Haft verurteilt.
25. Mehr Scheidungen: Nach Medienberichten wurden im abgelaufenen Jahr 5.600 albanische Ehepaare geschieden, 7 % mehr als 2008. Wichtige Scheidungsgründe sind eheliche Gewalt, unterschiedliches soziales Niveau und Emigration.
26. Ausweisung eines weiteren serbischen Politikers: Wenige Tage nach der Abschiebung des Kosovo-Ministers Gavrilovic wird auch sein Stellvertreter Borislav Ristic wegen ungenehmigter Einreise in Verbindung mit politischen Aktivitäten in Dersnik bei Klina festgenommen und abgeschoben.
26. Verfassungsgericht stoppt Grenzvertrag: Das albanische Verfassungsgericht erklärt einstimmig das umstrittene Abkommen über die Territorialgewässer zwischen Albanien und Griechenland für verfassungswidrig. Der Vertrag war am 28.4.2009 zwischen den damaligen Außenministern Lulzim Basha und Dora Bakoianni geschlossen worden. – Außenminister Ilir Meta und der griechischen Außenstaatssekretär Dimitris Droutsas wollen bereits am 28.1. am Rande der Londoner Afghanistan-Konferenz über die neue Lage sprechen.
28. Europarat für Ende der politischen Blockade: Die Parlamentarische Versammlung des Europarates fordert in der Resolution 1709 ein Ende der politischen Dauerkrise in Albanien, die die Chancen auf einen EU-Beitritt entscheidend mindere.

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