Die Wirtschaft im Kosovo

Kosovo die ärmste Region des ehemaligen Jugoslawiens. Neben der schwachen Infrastruktur waren auch die Wirtschafts- und Strukturpolitik der Ära Tito Gründe für diese wirtschaftliche Schwäche. So wurde im Kosovo wenig weiterverarbeitende Industrie angesiedelt. Trotz der finanziellen Unterstützung seitens der anderen jugoslawischen Republiken, wurde Kosovo gänzlich von der Entwicklung im Land abgehängt: Das Bruttosozialprodukt pro Kopf sank zum Beispiel von 44% des jugoslawischen Durchschnitts im Jahr 1952 auf 27% im Jahr 1988. In den frühen neunziger Jahren wurde die wirtschaftliche Produktivität des Kosovo noch einmal halbiert. Und durch den 1999 im Krieg mündenen serbisch-albanischen Konflikt kam es noch einmal zu einem Rückgang von 20 %.
Nach dem Kosovokrieg wurden rund zwei Milliarden Euro Hilfsgelder zur Verfügung gestellt und im Juli 2008 wurden auf einer Geberkonferenz weitere Finanzhilfen zugesagt. Dabei ging es um die Verbesserung der Infrastruktur und auch Auflagen zur Verwendung für die serbische Minderheit im Land.

Wirtschaft zwischen Staatsbetrieb und Auslandsüberweisungen

Wirtschaftlich bedeutend sind heute vor allem kleinbäuerliche Familienbetriebe sowie Privatunternehmen im Handels- und Bausektor, die meist nach dem Krieg gegründet wurden und teilweise aus Fonds der EU gefördert werden, oft jedoch unterkapitalisiert sind. Im Jahre 2005 gab es zudem 18 Agrarkombinate, 124 staatliche Unternehmen und 150 genossenschaftliche Betriebe. Diese Unternehmen befinden sich in gesellschaftlichem Eigentum („socially owned“), eine Sonderform des Eigentums im jugoslawischen Selbstverwaltungssozialismus. Diese Betriebe werden seit 2002 von der Kosovo-Treuhandanstalt (KTA/AKM) verwaltet.

Die zerstrittene Regierungselite, Korruption, Probleme bei der Stromversorgung, rückläufige öffentliche und ausländische Investitionen und das steigende Handelsdefizit haben 2014 zu einem spürbaren Rückgang des seit dem Tiefpunkt 2000 anhaltenden Wachstums auf etwa 2,5 Prozent geführt.
Der Außenhandel Kosovos ist seit 1990 durchgehend defizitär, 2012 wurden dreimal so viel importiert wie exportiert. Der Defizit liegt bei fast 45% des Bruttoinlandsproduktes. Exportiert werden Rohstoffe und Textilien, hauptsächlich nach Italien, Albanien, Mazedonien und China. Importiert werden Brennstoffe, Mineralölprodukte, Synthetikgarne, (gebrauchte) Kraftfahrzeuge und Maschinen, besonders aus Serbien, Deutschland und der Türkei.

Der industrielle Sektor setzt sich aus den Bereichen Bergbau, Chemie, Elektro, Textil, Baustoffe und Holz zusammen. Der Sektor ist mit 22,6% am BIP beteiligt.
Die Mehrheit der Erwerbstätigen arbeitet in der Landwirtschaft; erwirtschaftet wird hier jedoch nur 12,9 % des gesamten Bruttoinlandsprodukts.
Der Dienstleistungssektor ist mit 64,5% der wichtigste Sektor.

Die offizielle Währung ist der Euro, obwohl Kosovo kein Mitglied der Europäischen Währungsunion ist. Die früher bereits als Zweitwährung etablierte D-Mark wurde 1999 von der UNO-Verwaltung als Währung eingeführt und später vom Euro abgelöst. In serbischen Enklaven kann auch mit serbischen Dinar bezahlt werden.

Weitere wichtige Wirtschaftsfaktoren sind internationale Hilfsgelder und Rücküberweisungen von Migranten. Nach Angaben des kosovarischen Finanzministeriums sind diese Rücküberweisungen höher als die im Kosovo erwirtschafteten Werte.

Kein Weg aus der Misere

Gute Miene zum bösen Spiel. KEISA gibt sich optimistisch

Da die internationalen Hilfsgelder zurückgehen und der Zutritt zum EU-Arbeitsmarkt für Kosovaren nach wie vor sehr schwer ist, wird die Situation immer schwieriger. Besonders junge Leute sind vom Mangel an Erwerbsmöglichkeiten betroffen, so ist die Altersgruppe zwischen 16 und 24 Jahren zu 60%  erwerbslos. Diese Situation wurde in der Vergangenheit oft durch Arbeitsemigration begegnet, vor allem in die Schweiz und nach Deutschland. Diese Entwicklung hat sich aber seit Herbst 2014 beschleunigt und trägt zur aktuellen „Flüchtlingskrise“ in Deutschland bei. Das Wirtschaftswachstum und die Direktinvestitionen aus dem Ausland werden nicht ausreichen um das Beschäftigungs- und Armutsproblem in absehbarer Zeit zu lösen.

Die Staatengemeinschaft hat zwischen Kriegsende 1999 und 2011 etwa vier Milliarden Euro in Kosovo investiert, dennoch gibt es kaum Industrie, selbst landwirtschaftliche Produkte werden aus China importiert. Misswirtschaft, Korruption und Überreglementierung vonseiten der EU und den USA werden als Ursachen gesehen. Eine Steuerverwaltung befindet sich erst im Aufbau.

Als Haupthindernisse für die Überwindung der schwierigen wirtschaftlichen Lage gelten die schlechte Infrastruktur, der Mangel an einschlägig ausgebildeten Fachkräften, unsichere politische Gesamtlage und mangelhafte oder fehlende Wirtschaftsreformen seitens der lokalen Selbstverwaltung.

Nach Angaben der Weltbank aus dem Jahr 2009 leben 34% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze (Einkommen unter 1,37 Euro pro Tag und Erwachsener) und 12% sogar unterhalb der Grenze extremer Armut (Einkommen unter 0,93 Euro pro Tag und Erwachsener).
Neben Altersarmut und anderer bekannten Erscheinungen, sind besonders nicht-serbische Minderheiten, wie die Roma oder Goranen, betroffen.

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Für Informationen und Wirtschaftskontakte ist die Kosovo Investment and Enterprise Support Agency (KIESA) zu empfehlen.