Die Albanischen Hefte 1975

1975 – Ein Jahr der Professionalisierung

Das Albanische Heft 1/1975 beginnt mit der Mitteilung, dass die angedrohten Berufsverbote gegen die Vorsitzende der GFA Inge Junck und ihre Stellvertreterin Dagmar Roßkopf aufgehoben worden sind.

Der thematische Schwerpunkt dieses Heftes lautet: „Frau im Sozialismus“. Es wird von einer „Kampagne zur vollständigen Befreiung der Frau“ berichtet. Diese Kampagne ist verbunden mit einer zweiten „gegen die Religion und die rückständigen Sitten“. Dabei stehen frauenfeindliche Einstellungen und Bestimmungen sowohl im Kanu des Lek Dukagjini als auch im Christentum und im Islam im Mittelpunkt. Die Teilnahme an der Produktion und an der Landesverteidigung wird als essenziell für die Emanzipation der Frau erachtet. Ferner geht es um politische Gleichberechtigung, sowie die Verbesserung der medizinischen Versorgung der Frauen bei der Geburt und der Entwicklung der Kinder.

Diesen „Erfolgen“ stehen zwei Artikel der albanischen Presseagentur gegenüber, die den Titel tragen: „Die schwierige Lage der Frauen in den kapitalistischen Ländern“, und: „Frauen in den kapitalistischen und revisionistischen Ländern sind schärfster Ausbeutung ausgesetzt.“

Das Thema wird mit einer Kurzgeschichte von Ismael Kadare abgeschlossen und gekrönt von seinem Gedicht, dass wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten:

Am Jahrestag der XII. Brigade
Vorbeimarsch der Partisanen, die Kriege gekämpft.
Die Gefallenen fehlen in ihren Reihen.
Vorbeimarsch der Schlachten, der Schmerzen, der Lieder.
Und mitten darunter eine schwangere Frau.
Ich sah sie dachte sogleich: Das ist Albanien –
Eine liebliche Lichtung und blitzende Waffen,
Und schon im Schoße das Kind
Geht mit dem Schritt der Soldaten.

Das Heft berichtet ferner über die „Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Befreiung Albaniens“, sowie über das Erscheinen der deutschen Ausgabe von Enver Hoxhas ausgewählten Reden und Aufsätzen im Verlag „Router Morgen“.

Aufschlussreich ist dann noch eine „Richtigstellung zum Thema Arbeiterklassenkontrolle“:
„In unserem Artikel stand die direkte Arbeiterkontrolle von unten einseitig im Vordergrund; dadurch wurde die falsche Vorstellung über den Sozialismus in Albanien gefördert, nämlich die, dass die Arbeit an Werktätigen in Albanien misstrauen in ihren Staaten ihre Partei haben und sie deshalb ‚kontrollieren‘ müssten. Das Gegenteil ist der Fall: gerade in der engen Verbundenheit zwischen Volk, Partei und Staat beruht ja die Kraft des Sozialismus in Albanien!“

Die Arbeiterklassenkontrolle würde ebenso von oben, durch die Partei und Staatsorgane ausgeübt.

Heft 2/1975 beginnt mit einer Resolution der Delegiertenversammlung der GFA am zehnten-11. Mai in Frankfurt, in der nochmals der 30. Jahrestag des Sieges über den Faschismus gefeiert wird. Ansonsten erfährt man darüber fast nichts, die Versammlung von über 20 Delegierten sei ein großer Erfolg gewesen „gekennzeichnet durch Begeisterung, Schwung und Übereinstimmung bei der Mehrzahl der Delegierten.“

Thematisch stehen die albanischen Gewerkschaften im Mittelpunkt dieses Heftes. Aus Anlass des 30. Jahrestages der Gründung der albanischen Gewerkschaften wird in einem längeren Beitrag die Rolle der Gewerkschaften erläutert. Als „Massenorganisationen“dient sie als Hebel zur Umsetzung der Politik der PAA. Die wichtigste Aufgabe der Gewerkschaften ist, die Erfüllung der staatlichen Wirtschaftspläne zu gewährleisten. Dazu gehört das Instrument der „Arbeiterklassenkontrolle“, wodurch die Arbeiterklasse im Sinne der Partei bei Fehlern kontrollierend eingreifen soll. Dies soll in allen gesellschaftlichen Bereichen möglich sein, etwa auch im Kulturbereich. So sollen die Gewerkschaften an der „Schaffung des neuen Menschen“ beteiligt sein. Die Wahrnehmung der Rechte der Arbeiter demgegenüber nur eine geringe Bedeutung.

Neben Berichten aus Albanien und aus dem Vereinsleben ist das vollständig abgedruckte Memorandum der albanischen Regierung vom 18. November 1972 besonders interessant, weil darin die Nicht Teilnahme Albaniens an der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) begründet wird.

Das Heft schließt mit einem Gedicht von Ismaell Kadare mit dem aufschlussreichen Titel: „Die albanischen Olivenbäume in Vietnam“.

Das Heft 3-4/1975 widmet sich der Kunst und Kultur Albaniens. Der 14-seitige Hauptartikel gibt einen Überblick über das kulturelle Leben in Albanien. Trotz seiner Vielseitigkeit steht er unter der politischen Leitlinie: „Die Schriftsteller und Künstler sind Helfer der Partei bei der kommunistischen Erziehung der Menschen.“ Ergänzend wird das Prinzip des „Sozialistischen Realismus“ in der Kunst erläutert. Eine Reihe von Abbildungen und Drucken von Gemälden und Grafiken, sowie eine Kurzgeschichte von Teodor Laço illustrieren diesen Artikel.

Neben der Verurteilung von „albanienfeindlicher Propaganda“ in der BRD berichten einige Leser von ihren Erlebnissen beim Albanien-Urlaub.

 

 

 

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