Daten, Namen, Nachrichten

Hier sammeln wir die wichtigsten Nachrichten aus Albanien, Kosovo und weitere Länder in denen es albanische Minderheiten oder eine albanische Diaspora gibt. In unserem Archiv können Sie die Chronik der letzten Jahren nachlesen. Wählen Sie dazu einfach das entsprechende Jahr und Monat aus. Die gesamte Albanienchronik seit 1990 ist auch als Buch erhältlich.

 

Oktober

1. EU übt Druck auf Kosovo aus: Ein EU-Sprecher fordert Kosovo auf, die seit langem überfällige und bereits vor mehreren Jahren zwischen Kosovo und Serbien im Grundsatz vereinbarte Bildung einer Assoziation der serbischen Gemeinden in Kosovo auf den Weg zu bringen. Dem stehe auch ein Urteil des kosovarischen Verfassungsgerichts von 2015 nicht grundsätzlich im Wege.
1. Corona-Hilfe in Kosovo: Die kosovarische Regierung legt einen Fonds von 60 Millionen € für insgesamt 90.000 Unternehmen mit über 200.000 Beschäftigten auf, die durch die Corona-Pandemie Verluste erlitten haben. Pro Beschäftigtem sollen 300 € gezahlt werden. – Wirtschaftsverbände halten das nicht für ausreichend und fordern weitere Subventionen. – Das Land geht für 2020 von einem Wirtschaftsrückgang von ca. 4,5 % und einem 11-%igen Steuerausfall aus.

2. Gemeinsame Kabinettssitzung Albanien-Kosovo: In Tirana findet eine gemeinsame Sitzung der beiden Regierungen statt. Es werden 13 Vereinbarungen zur engeren Zusammenarbeit zur wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit unterzeichnet.
3. Abkommen mit USA über Wasserkraftwerk: Ministerpräsident Rama und der US-Staatssekretär für Energie und Umwelt, Keith Krach, unterzeichnen in Tirana eine Vereinbarung über wirtschaftliche Zusammenarbeit, besonders über den Bau eines Wasserkraftwerks in Skavica.

5. Wahlgesetz geändert: Mit 96 Stimmen verabschiedet das albanische Parlament Änderungen am Wahlgesetz. Es macht die Landeslisten der Parteien durch die Einführung von iner zweiten Stimme für einzelne Listenkandidaten durchlässig. – Lulzim Basha, der Anführer der außerparlamentarischen Opposition, verurteilt die Abstimmung und wirft Rama vor, er habe die Vereinbarung vom 4. Juni 2020 verletzt und wolle das Land mit sich in den Abgrund zu reißen. Er kündigt am Folgetag an, mit der LSI über eine gemeinsame Liste zu verhandeln. – US-Botschafterin Kim sieht keine direkte Verletzung, aber eine nicht ausgehandelte Erweiterung der Vereinbarung zwischen Regierung und außerparlamentarischer Opposition.

6./7. EU-Kommissar Várhelyi in Tirana: Der EU-Kommissar für die Erweiterung, der Ungar Oliver Várhelyi, führt in Tirana Gespräche mit Regierung, Opposition und Präsident. Er mahnt in einer Rede im Parlament eine Einigung über die Wahlen und weitere Reformschritte an.

20. Albanien und Griechenland rufen Schiedsgericht an: Ministerpräsident Rama und der griechische Außenminister Nikos Dendias kündigen an, ihren Streit um die Hoheitsgewässer, die Griechenland wegen vermuteter Erdgasvorkommen weiter ausdehnen will, vor einem internationalen Schiedsgericht klären zu lassen. Auch das pro forma fortbestehende griechische Gesetz über den Kriegszustand aus dem II. Weltkrieg soll endlich aufgehoben werden.

28. Balkan-Forum gegen Antisemitismus: In Tirana findet ein Forum der Balkanstaaten gegen Antisemitismus statt. Dabei wird, auch von Vertretern Israels und US-Außenminister Mike Pompeo, die zugeschaltet werden, an die Rettung vieler Juden in Albanien während der deutschen Besatzungszeit erinnert.

28. Italienisches Unternehmen saniert Bahnstrecke Durrës-Tirana: Die europäische Bank EBRD erklärt das italienische Unternehmen INC zum Gewinner der Ausschreibung für die Sanierung der Bahnverbindung zwischen Durrës und der Hauptstadt, bei der auch der Flughafen in Rinas ans Bahnnetz angeschlossen werden soll. INC hat ein Angebot von knapp 70 Millionen € vorgelegt, während Mitbieter mehr als 90 Millionen € verlangt hatten.

29. Wahlrechtsänderungen bestätigt: Mit 97 gegen 13 Stimmen bei einer Enthaltung weist das Parlament Einsprüche von Präsident Meta gegen die Änderung des Wahlrechts zurück.

30. Meta unterstützt Volksgesetzgebung: Präsident Meta unterstützt eine Initiative, die mehr gesetzliche Möglichkeiten von Bürgerentscheiden durchsetzen will.

31. Corona-Bilanz: Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität wurden bisher in Albanien 21.202 Covid-19-Infizierte registriert, von denen 518 gestorben sind. In Kosovo sind es 19.328 Fälle und 678 Tote, in Nordmakedonien 32.436 Fälle und 1.004 Tote.

 

November

2. Terroranschlag in Wien – Täter mit albanischen Wurzeln: Der in Wien geborene Kujtim Fejzulai tötet in Wien vier Menschen und wird danach von der Polizei erschossen. Seine Familie war aus Nordmakedonien nach Österreich eingewandert. Er hatte sich radikalisiert und war zum Anhänger der Terrormiliz IS geworden.

2. Teillockdown in Kosovo: Die kosovarische Regierung verfügt einen teilweisen Lockdown. Gaststätten und Einkaufszentren müssen zwischen 21.00 und 05.00 Uhr schließen. Öffentliche Veranstaltungen, darunter auch Hochzeiten und Demonstrationen, sind untersagt.  Menschen über 65 dürfen ihre Wohnungen nur von 06.00 bis 10.00 Uhr sowie von 16.00 bis 19.00 Uhr verlassen.

4. Jakup Krasniqi nach Den Haag ausgeliefert: Der frühere kosovarische Parlamentspräsident und zweimalige Staatspräsident Jakup Krasniqi (NISMA) wird in Prishtina festgenommen und nach Den Haag ausgeliefert, wo er sich wegen Kriegsverbrechen verantworten soll, die er bestreitet.

5. Thaçi tritt nach Anklage zurück: Hashim Thaçi legt sein Amt als Präsident von Kosovo mit sofortiger Wirkung nieder, nach dem das Tribunal in Den Haag eine Anklage wegen Kriegsverbrechen gegen ihn zugelassen hat. Weitere Anklagen ergehen gegen den PDK-Vorsitzenden Kadri Veseli sowie gegen den VV-Fraktionsvorsitzenden Rexhep Selimi. Die drei Angeklagten, die sich als nicht schuldig bezeichnen, werden am selben Tag mit einer Militärmaschine nach Den Haag überstellt. – Gemäß der Verfassung übernimmt Parlamentspräsidentin Vjosa Osmani, die am 7.9.2020 ihren endgültigen Bruch mit der LDK bekanntgegeben hatte, kommissarisch die Geschäfte des Staatsoberhauptes.

8. Rama trifft streikende Erdölarbeiter: Ministerpräsident Rama führt Gespräche mit Erdölarbeitern aus Ballsh. Diese führen einen Hungerstreik für ausbleibende Löhne, nachdem sich die Betreibergesellschaft aus dem Projekt zurückgezogen hat. Rama lehnt die Forderung ab, dass die Regierung die ausbleibenden Löhne übernimmt, bietet aber finanzielle Hilfen an. Dafür werden 560 Millionen Lekë bereitgestellt.

9. Anti-Corona-Maßnahmen in Albanien verschärft: In Albanien werden die Restaurants und Bars zwischen 22 und 6 Uhr geschlossen; in dieser Zeit gilt eine Ausgangssperre, soweit nicht Arbeit, Gesundheit oder andere zwingende Gründe einen Aufenthalt außerhalb der Wohnung erforderlich machen. – Bereits vorher war eine allgemeine Maskenpflicht außerhalb der Wohnung angeordnet worden. Versammlungen einschließlich Sport- und Kulturveranstaltungen wurden verboten; die Hochschulen mussten auf digitales Lehrern umstellen.

9. Kontroverse um Oppositionsführer: Sozialistische Politiker werfen, gestützt auf Angaben von Menschenrechtsorganisationen, PD-Chef Lulzim Basha vor, er habe mit den internationalen Behörden und Gerichten zusammengearbeitet und gegen UÇK-Führer ermittelt. Dies verbinden sie mit dem Vorwurf, nationalen Interessen geschadet zu haben.

10. Westbalkan will Volkswirtschaften an EU anpassen: Im Rahmen einer Video-Konferenz des „Berlin-Prozesses“ verabreden die Westbalkanstaat eine stärkere Anpassung ihrer Wirtschaften an EU-Strukturen, mehr Freihandel und eine Umwelt-Agenda.

11. Albanien – Kosovo 2:1: In Elbasan besiegt Albanien Kosovo in einem Freundschaftsspiel mit 2:1.

15. Albanien – Kasachstan 3:1: In der Nations League schlägt Albanien Kasachstan im neuen Air Albania Stadion in Tirana mit 3:1.

15. Neuer VV-Fraktionsvorsitzender: Die VV-Parteiführung verständigt sich auf Liburn Aliu als neuen kommissarischen Fraktionsvorsitzenden der Partei im kosovarischen Parlament. Die Personalentscheidung war wegen der Überstellung von Rexhep Selimi nach Den Haag notwendig geworden. – Als neuen kommissarischen Vorsitzenden der PDK hatte der Lenkungsrat der Partei bereits am 6.11.2020 den bisherigen Vizeparteichef Enver Hoxhaj bestellt.

16. Haushalt 2021 verabschiedet: Das albanische Parlament verabschiedet mit 84 gegen neun Stimmen bei vier Enthaltungen den Haushalt für das kommende Jahr. 484,1 Milliarden Lekë Einnahmen stehen 582,8 Milliarden Lekë Ausgaben gegenüber, mithin ein Defizit von 108,7 Milliarden Lekë. Der Haushalt reagiert auf die Herausforderungen der Corona-Pandemie.

17. EU-Verhandlungen erneut verschoben: Bei einer Videokonferenz der EU-Außen- bzw. Europaminister erklärt die bulgarische Außenministerin Ekaterina Zacharieva, ihr Land unterstütze derzeit keine Verhandlungen mit Nordmakedonien. Hintergrund ist ein Konflikt zwischen beiden Ländern um die nationale und sprachliche Identität der Makedonier. Auch wenn Bulgarien keine Einwände gegen Albanien erhebt, stehen Bedenken der Niederlande im Raum; auch werden beide Länder als Geleitzug auf dem Weg in die EU gesehen.

18. Albanien – Belarus 3:2; Kosovo – Moldawien 1:0: In Tirana gewinnt Albanien in der Nations League gegen Weißrussland mit 3:2. Kosovo besiegt Moldawien mit 1:0.

20. Serbischer Patriarch Irenej stirbt: Der am 28.8.1930 in Vidova als Miroslav Gavrilović geborene Patriarch der Serbisch-Orthodoxen Kirche Irenej stirbt an Covid-19. Er hatte sich vermutlich am 1.11.bei der Beisetzung des Oberhauptes der Serbisch-Orthodoxen Kirche in Montenegro, Metropolit Amfilohije, der zuvor am 30.10.2020 ebenfalls an Covid-19 verstorben war, infiziert. Irenej hatte 2010 seinen verstorbenen Vorgänger Pavle abgelöst. Er wird am 22.11. in der Belgrader St. Sava-Kathedrale beigesetzt.

22. Früherer Kosovo-Bischof Artemije stirbt: Auf der Fahrt nach Belgrad erliegt in einem Krankenwagen das frühere Oberhaupt der Serbisch-Orthodoxen Kirche in Kosovo, Bischof Artemije, seiner Erkrankung. Er war am 18.11. in das Krankenhaus für Infektionskrankheiten in Valjevo (Serbien) eingeliefert worden. Gemäß Medienberichten soll es sich dabei ebenfalls um Covid-19 handeln. Artemije wurde am 15.1.1935 als Marko Radosavljević in Lelić geboren und 1991 zum Bischof der Eparchie Raszien-Prizren bestellt. 2010 wurde er, u.a. wegen des Vorwurfs des Amtsmissbrauchs und der illegalen Bereicherung, entlassen und 2015 aus der Kirche ausgeschlossen.

22. Zunehmende Migration nach Kosovo: Nach Angaben kosovarischer Behörden sind im Jahr 2020 bislang über 2.600 Migranten nach Kosovo eingereist, von denen 90 Prozent illegal die Grenzen passiert haben. 1.300 Personen stellten Asylanträge, von den etwa 50 Prozent wiederum aus Syrien stammen. Weitere Herkunftsstaaten sind u.a. der Irak, Marokko und die Palästinensergebiete. Im Jahr 2018 betrug die Zahl der Asylanträge noch 600. – Im zentralen kosovarischen Asylzentrum Magure (Gemeinde Lipjan) sind derzeit 150 Asylbewerber untergebracht. In der dortigen Moschee, die zeitweise von Migranten als Unterschlupf genutzt wurde, war am 21.10.2020 ein Feuer ausgebrochen. Gemäß Medienberichten führt die verstärkte Zuwanderung zu Spannungen mit der einheimischen Bevölkerung.

25. Dekrete von Hashim Thaçi aufgehoben: Der amtierende Präsidentin Vjosa Osmani hebt vier Dekrete ihres Amtsvorgängers Hashim Thaçi zur Ernennung von Generalkonsuln in Prag, Ljubljana, Skopje und Tirana auf. Als Begründung wird u.a. angeführt, dass es diplomatisch nicht üblich sei, Generalkonsulate zu eröffnen und Generalkonsuln in Städten zu ernennen, in denen bereits Botschaften desselben Landes existieren. Besonders an der Ernennung von Flakron Shala zum Generalkonsul in Prag hatte es in der kosovarischen Öffentlichkeit erhebliche Kritik gegeben. Dieser ist Sohn des NISMA-Abgeordneten Haxhi Shala, der erst nach Interventionen u.a. von AAK-Parteichef Ramush Haradinaj am 4.6.2020 im kosovarischen Parlament für die Koalitionsregierung von Avdullah Hoti gestimmt hatte.

29. Bürgermeisterwahlen in zwei Gemeinden: Bei den Bürgermeisterwahlen in Podujeva und Nord-Mitrovica erzielten die Kandidaten folgende (vorläufige amtliche) Ergebnisse: Podujeva: Shpejtim Bulliqi/VV: 51,64%, Nexhmi Rudari/LDK: 35,97%, Naim Fetahu/PDK: 12,40%. Der Verlust der LDK-Hochburg Podujeva, die seit dem Ende des Kosovokrieges ununterbrochen von der LDK regiert worden war, ist eine empfindliche Niederlage für die Partei von Isa Mustafa. In Nord-Mitrovica gewinnt Dušan Milunović/Serbische Liste mit 89,86 % gefolgt von Erden Atiq/VV mit 3,68% und Florent Azemi/PDK mit 3,54%.

30. Tribunal in Den Haag veröffentlicht komplette Anklageschrift: Der Sondergerichtshof in Den Haag veröffentlich auf seiner Website ein 235 Seiten umfassendes Dossier mit der Anklageschrift gegen Hashim Thaçi, Kadri Veseli, Jakup Krasniqi und Rexhep Selimi. Die Anklageschrift listet u.a. mehrere Dörfer auf, in denen im Zeitraum von April 1998 bis August 1999 in Einrichtungen der UÇK angeblich Verbrechen, wie Mord, Folter usw., an mindestens 392 Personen verübt worden sein sollen.

30. Kontroverse um neue Skanderbeg-Statue in Prizren: Das am 28.11. in Prizren eingeweihte neue Denkmal des Nationalhelden Gjergj Kastrioti Skënderbeg des Bildhauers Sinan Aliaj stößt in der kosovarischen Öffentlichkeit auf teils massive Kritik und Ablehnung. Verschiedentlich wird die sofortige Demontage der Staue verlangt. Kritisiert wird u.a. die Physiognomie der Statue, die jener eines Serben oder Ungarn ähnele, aber keineswegs albanisch sei. Als Reaktion auf die Proteste kündigt Bürgermeister Mytaher Haskuka (VV) die Einsetzung einer Kommission aus Künstlern und Historikern an, die eine Stellungnahme erarbeiten sollen.

30. Corona-Bilanz: Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität hat die Zahl der Corona-Infizierten und -Toten auf dem Westbalkan im November sprunghaft zugenommen. In Albanien wurden 37.625 Covid-19-Infizierte registriert, von denen 798 gestorben sind. In Kosovo sind es 39.057 Fälle und 1.005 Tote, in Nordmakedonien 61.543 Fälle und 1.731 Tote.