Mit Corona im Gepäck aus Kosovo und Nordmazedonien zurück

5. September 2021 | Von | Kategorie: Berichte

Sommerferien sind für viele aus dem Balkan nach Westeuropa migrierte Menschen gleichbedeutend mit dem Heimatbesuch. Für Migrantinnen und Migranten aus Kosovo und Nordmazedonien war dieses alljährlich wiederkehrende Ritual mit erheblichen zusätzlichen Risiken verbunden, deren Auswirkungen sich langsam zeigen: In der Schweiz geben eine Großteil der mit Corona Infizierten, die eine schweren Verlauf erleben und auf der Intensivstation landen an, sich während des Heimaturlaubs angesteckt zu haben. In Deutschland wird es nicht großartig anders sein.

Am Flughafen Prishtina wurden alleine im Juli knapp eine halbe Million Anreisende registriert. Und wie immer wird der Heimatbesuch mit Hochzeiten und Feierlichkeiten in der Familie verbunden, Café- und Restaurantbesuche mit Freunden und Bekannten: ideale Bedingungen, um Corona weiter zu geben. Schließlich waren die wenigsten geimpft. Nicht die Reisenden, wovon nur Wenige – aus unterschiedlichen Gründen – vom Imfangebot in ihrer neuen Heimat Gebrauch gemacht hatte, und erst recht nicht die Einheimischen, die meist noch gar keine Möglichkeit dazu gehabt hatten.

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Die bis Anfang Juli extrem niedrige Inzidenz in Kosovo erreichte am 26. August einen Spitzenwert von 722 und liegt heute, zehn Tage später, immer noch bei 529. Es liegt auf der Hand, dass darunter viele Urlauberinnen und Urlauber sind – sogar, dass diese Ursache des Anstiegs sind. Das Auswärtige Amt bzw das Gesundheitsministerium hat dementsprechen Kosovo und Nordmazedonien als Hochrisikogebiete eingestuft, die Urlaubende, insofern sie noch nicht wieder zurück sind, dürfen sich auf entsprechende Maßnahmen freuen.

Warum das alles? Eine gewisse Corona-Müdigkeit wird da eine Rolle spielen. Auch der Druck, die in der Heimat  Zurückgebliebenen zu besuchen, wird ein Faktor sein. Wichtig dabei ist aber vor allem die niedrige Impfquote, gerade bei den Reisenden. Es gibt keine belastbare Zahlen dazu, aber die These steht im Raum, dass die Impfrate bzw. die Impfbereitschaft bei Migrantinnen und Migranten und vor allem bei Menschen, die aus Teilen des Balkans kommen, im Vergleich zur Mehrheitsgesellschaft vergleichsweise niedrig ist. Hierzu fehlen belastbare Zahlen, aber es gibt durchaus eine Korrelation zwischen niedriger Impfbereitschaft und niedriger Bildung bzw. niedrigem Einkommen. Und das trift durchaus auf viele Migrantenfamilien zu. Nicht zuletzt sind weitverbreitete Verschwörungserzählungen und Fake News zu nennen sowie die Bereitschaft, diesen Glauben zu schenken.

 

 

 

 

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