Shkrepëtima – Kunst aus Kosovo in Bern

20. Juli 2018 | Von | Kategorie: Veranstaltungen

Das Dorf Runik liegt im Nordwesten Kosovos zwischen Mitrovica und Peja. Petrit Halilaj (Jg. 1986) ist dort aufgewachsen. Im Zuge des Kosovokrieges ist er mit seinen Eltern nach Albanien geflohen. Heute pendelt er zwischen Berlin, dem lombarischen Bozzolo, und Prishtina.

Das Dorf Runik ist auch dafür Bekannt – zumindest unter Archaeologen und kenner der Region – das sich dort eine der bedeutendsten jungsteinzeitlichen Siedlungen Südosteuropas befand. Noch heute entdecken die Dorfbewohner immer wieder prähistorische Artefakte – darunter Töpferwaren, zeremonielle Gegenstände oder menschliche Figurinen.

Petrit Halilaj wiederum interessiert sich für die Frage, welche Rolle diese historischen Artefakte heute im gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Gemeinde spielen oder spielen könnten. Angesichts fehlender Infrastruktur lebt in Runik das Wissen über die ferne Vergangenheit vor allem in der mündlichen Überlieferung weiter, wobei die Grenzen zwischen Realität und Mythos, Fakt und Fiktion nur unscharf gezogen sind. Die Videoinstallation The city roofs were so near that even a sleepwalking cat could pass over Runik without ever touching the ground (2017) erzählt die Geschichte dieser steinzeitlichen Fundstücke und die Spekulationen, die sie umgeben. Dabei ist nicht nur ein Portrait des Dorfes Runik entstanden, sondern auch eine komplexe und poetische Momentaufnahme des Kosovos als junge Nation mit unsicherer Vergangenheit und Zukunft.

Im Rahmen der Ausstellungsvorbereitung war Halilaj in Runik, um dort, zusammen mit der dortigen Bevölkerung eine große partizipative Kulturveranstaltung im seit vielen Jahren leerstehenden Kulturzentrum zu organisieren. Mit diesem als Initialzündung oder Funken (daher auch Shkrepëtima) gedachten Moment möchte Halilaj die gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung im Dorf anstossen.

In Bern zeigt Halilaj Zeichnungen, Skulpturen und Konzeptstudien, in denen die Objekte aus der Vergangenheit zu poetischen Wegweisern für die Zukunft werden. Die steinzeitlichen Objekte verwandeln sich so in Wandervögel, die auf Reisen gehen, Grenzen überschreiten und neue Lebensräume bevölkern.

Petrit Halilaj ist der Preisträger des Mario-Merz-Preises 2018.

 

Shkrepëtima – Petrit Halilaj

20.07. – 19.08.2018, Di-So 10-17 Uhr

Zentrum Paul Klee
Monument im Fruchtland 3 Linie 12, Zentrum Paul Klee
3006 Bern

 

 

 

 

Letzte Beiträge

Teilen:

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedintumblrmail
Schlagworte: , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar