Albanische Ölarbeiter demonstrieren mit Erfolg

5. Januar 2018 | Von | Kategorie: Berichte

Raffineriearbeiter auf dem Weg nach Tirana. Foto: www.industriall-union.org

Die Raffinerie in der südalbanischen Kleinstadt Ballsh hat etwa 1000 Mitarbeiter. Bezahlen tut der Betreiber der 2008 teilprivatisierte Raffinerie – die Ionian Refinery & Trading Company (IRTC), eine albanisch-amerikanische Joint Venture – nicht. Seit November. Wenn man bedenkt, dass Ballsh gerade mal 7000 Einwohner zählt, kann man sich die Bedeutung dieser Löhne bzw. deren ausbleiben für die lokale Wirtschaft vorstellen.

So reif die Industriegewerkschaft Federata Sindikale e Punonjësve të Industrisë së Shqipërisë (FSPISH) ihre Mitglieder am 21. Dezember zur Demonstration vor den Toren der Raffinerie auf, um diese und weiter unbezahlte Lohnauszahlungen einzufordern.

In der 25 Kilometer entfernten Stadt Fier, wo die IRTC eine weitere Raffinerie betreibt, demonstrierten 1200 Arbeiter vor den örtlichen Behörden am 27. Dezember. Dort haben sich dann 200 Kollegen zusammengefunden um ihr Anliegen der Regierung in Tirana vorzutragen. Und so sind sie in das knapp über 100 km weit entfernte Hauptstadt losmarschiert – zu Fuß versteht sich. Nachdem sie am Morgen des 28. Dezember angekommen waren, demonstrierten sie vor dem Energieministerium, dem Finanzministerium und dem Sitz des Premierministers. Einer der Arbeiter sagte, sie verlassen Tirana nicht, solange das Geld nicht ausbezahlt wird.

Der Energieminister Damian Gjiknur erklärte sich bereit, Vertreter der Arbeiter zu treffen und rief eine Zusammenkunft ein an der neben den Demonstranten auch Vertreter des Finanzministeriums, des Arbeitgebers und der Gewerkschaft teilnahmen.

Nach dem Treffen erhielten die 200 Demonstranten ihre unbezahlten Löhne. Ein Gerichtsverfahren läuft, um die Lohnforderungen der anderen Arbeiter zu regeln.
Stellvertretender Generalsekretär der IndustriALL Kemal Özkan sagte dazu: „Diese eindrucksvolle Demonstration der Einheit hat zum schnellen Sieg für die Arbeiter der Raffinerie geführt. Aber es muss sich was ändern: Die Raffinerie gehört zum Teil der albanischen Regierung – und diese muss nicht nur dafür sorgen, dass sie der Betrieb reibungslos funktioniert sondern auch, dass die Arbeitnehmer pünktlich bezahlt werden.“

Das wird nicht ganz einfach. Die zwei von der IRTC betriebenen Ölraffinerien in Albanien stehen seit der Privatisierung im Jahr 2008 unter extremen finanziellen Druck. Das Öl-Unternehmen steckt in der Krise seit die Rohölgesellschaft die Lieferungen an die Raffinerien wegen unbezahlter Rechnungen eingestellt hat. Deswegen wurde alleine im Jahr 2017 die Arbeit in der Ballshi-Raffinerie wegen fehlender Rohöllieferung zehn Mal eingestellt.

Obwohl die IRTC nicht in der Lage war, weder ihre Mitarbeiter noch ihre offene Rechnungen zu bezahlen, hat die Firma kürzlich 1,3 Millionen Euro in ein weiteres Ölkonsortium investiert.

 

 

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