Kreativer Protest: eine NGO hängt Krawatten am Zaun in Prishtina

27. Dezember 2017 | Von | Kategorie: Berichte

Vielen bunte Krawatten zieren den Zaun vor einem Regierungsgebäude in Prishtina Foto: euronews.de

Eine Nichtregierungsorganisation hat dazu aufgerufen, Krawatten vom Zaun vor einem Regierungsgebäude im Kosovo aufzuhängen, um gegen eine Gehaltserhöhung für den Premierminister zu protestieren.

Premierminister Ramush Haradinaj hat die Steilvorlage dafür geliefert indem er die Gehaltsanpassung in einem Fernsehinterview damit begründete, dass er das Geld für neue Krawatten und Hemden benötige.

Kushtrim Mehmeti von „Beyond the Walls“, die  hinter der Aktion stehende NGO, hat in den Sozialen Medien dazu aufgerufen und schnell mehr als 200 Krawatten gesammelt um den Protest auf dem Weg zu bringen. Letzte Woche beschloss das Kabinett, Haradinajs Gehalt von etwa 1300 auf 2950 Euro pro Monat vor zu verdoppeln. Damit ist Haradinaj der am besten bezahlten Ministerpräsident in der Region (Edi Rama bekommt monatlich lediglich etwa 1.700 Euro als Gehalt überwiesen, der Ministerpräsident von Serbien gar nur 1.000 Euro Premierminister-Gehalt).

3000 Euro sind aus deutscher Sicht ja bei weitem nicht die Welt, nur muss man bedenken, dass das Durchschnittsgehalt im Land 350 Euro pro Monat beträgt und die Arbeitslosenquote bei gut 30% liegt.

„Ramush Haradinaj ist der Premierminister der Armen, die 200 Euro im Monat verdienen“, sagte Kushtrim Mehmeti im Interview mit der französischen ‚Liberation‚. „Er darf nicht vergessen, dass er Menschen vertritt, die nicht das Probleme nicht ausreichender Krawatten haben sondern das Problem haben, arm zu sein“.

Halil Xani, ein 67-jähriger Rentner, der seine Krawatte selbst an den Zaun gebunden hat, sagte gegenüber ‚Liberation‘, sein Einkommen sei 75 Euro pro Monat. Er werde dreieinhalb Jahre benötigen, um den monatlichen Gehalt des Premierministers zu verdienen. „Es ergibt keinen Sinn. Wir brauchen auch Geld, nicht nur die Verantwortlichen“, sagte er.

 

 

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