Albanischer Weihnachten, gestern und heute

25. Dezember 2017 | Von | Kategorie: Berichte

Ein Gastbeitrag von Eduard Q. Gashi

Heiligabend wird fleichlos gefeiert. Foto: time.al

Die christlichen Albaner gehören der orthodoxen und katholischen Konfessionen an. Daher gibt es innerhalb der christlichen Albaner unterschiede in der Art und Weise, wie man Weihnachten feiert. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wechselten die Orthodoxen in Albanien zum gregorianischen Kalender über und feiern Weihnachten nun im Dezember. Was man besonders erwähnen sollte ist, dass die religiösen Feste in Albanien gemeinsam gefeiert werden. Die religiösen Führer der Vier großen religion in Albanien besuchen sich gegenseitig zu den großen Festen. So grüßen die Vertreter der islamischen Vereinigung die christlichen Gläubigen zu deren Festen genauso wie die albanischen Bischöfe die muslimischen Gläubigen zu deren Festen grüßen.

In einigen Regionen Albaniens war es und ist es nach wie vor Brauch, einen Widder zu schlachten und den Armen einen Teil des Fleisches als Almosen zu geben. Im Stammesgebiet der Kelmendi werden zu dieser Jahreszeit Almosen auf die Gräber von verstorbenen Verwandten gelegt. In Shala ist es Sitte, Käse, Brot, Sahne und Joghurt auf die Gräber zu legen und eine Kerze auf das Kreuz zu stellen. Die Lebensmittel wurden anschließend an die Armen verschenkt. In Boga behielten die Schafhirten am Heiligen Abend traditionell den ganzen Tag lang einen Stein im Mund, den sie erst vor dem Abendmahl ausspuckten. Die ganze Nacht wurde gewacht, damit die am Heiligen Abend angezündete Kerze nicht verloschen. Um Mitternacht läuten die Kirchenglocken und man besuchte die Heilige Messe. Im Anschluss wurde feierlich in die Luft geschossen. Heute wird diese Tradition mittels einem Feuerwerk weiter aufrecht erhalten. Das Schießen galt für die Albaner immer als ein Zeichen der Freude und Feierlaune, so wurde auch auf Hochzeiten oft geschossen. Heute wird auch auf Hochzeiten diese Tradition mit Feuerwerk aufrechterhalten. In der der Mirdita wurde am Heiligen Abend schon bei Sonnenuntergang geschossen. Wenn der Abt der Mirditen am Weihnachtstag nach der Messe die knienden Gläubigen mit den in Orosh aufbewahrten Reliquien des Heiligen Alexanders segnete, antworteten sie, ohne aufzustehen, mit Schüssen.

Um im kommenden Jahr eine gute Obsternte zu sichern, berührt man zu Weihnachten das Stroh, das sich unter dem Küchentisch mit einem Beil. Der Besitzer der Obstbäumen sagt dabei “Binde oder ich zerhacke euch!” Dann geht er mit dem Stroh nach draußen und bindet es um die Obstbäume, um sicher zu sein, dass das Obst im Sommer nicht vorzeitig vom Baum fallen würde. Diese Sitte wird noch in vielen albanischen Dörfern Westmazedoniens aufrechterhalten. Im Kosovo wurde Stroh zu Weihnachten auf die Felder gestreut, um eine gute Ernte zu sichern.

 

Der Christklotz

Der Christklotz (=alb. buzm) ist in vielen christlichen Ländern der Erde bekannt. Am Heiligen Abend geht ein Familienangehöriger in den Hof, ruft den Namen des Hausherren und verkündet “Heute kommt der Christklotz. Er kommt mit Brot, er kommt mit Käse, er kommt mit Butter und er kommt mit allem Guten!” Hierauf antwortet der Hausherr “Sei willkommen!” Die im Hof befindliche Person kommt wieder herein und trägt auf dem Rücken einen großen Holzklotz, der von allen gegrüßt wird. Er wird mit Würde behandelt und “edler Christklotz” genannt, als ob es sich um einen werten Gast handelt. Aus Gastfreundschaft und im übertragenen Sinne als Opfergabe stellt man einen Teil der Speisen und Getränke auf dem Christklotz. Dann wird der Klotz angezündet und muss die ganze Nacht über brennen. Die vom Klotz übriggebliebene Asche wird danach auf die Felder bzw. unter die Obstbäume gestreut, um für das kommende Jahr eine gute Ernte zu sichern. In Nordalbanien bemühten sich die Priester früher, diesen Brauch zu unterbinden, angeblich wegen des großen Verlusts an Lebensmitteln.

Im Kosovo ist es Brauch, auf dem Klotz auch ein Kreuz zu malen oder zu ritzen. Auch werden Äste zu einem Kreuz geformt und die Kinder gehen raus um den Christklotz ins Haus zu bringen. Es wird wiederholt “Der Christklotz kommt mit Gesundheit, Wohlstand, Reichtum und Fortschritt” gerufen.

Der Brauch des Christklotzes wird nicht nur von Katholiken, sondern auch von Muslimen eingehalten und lässt auf ein vorchristliches, mit der Wintersonnenwende in Verbindung stehendem Fest schließen. Aber es zeigt auch, dass sich die albanischen Muslime ihrer christlichen Wurzeln bewusst sind, so feiern sie auch den Heiligen Georg (Shen Gjergji) und andere Feste deren Ursprung im Christentum liegen.

In einigen Gegenden Albaniens wird der Christklotz am Heiligen Abend angezündet und irgendwann gelöscht, am Sylvesterabend erneut angezündet und wieder gelöscht und schließlich am Dreikönigstag, den 6. Januar, zum dritten und letzten Mal angezündet. Im Tal Reka e Eperme (Mazedonien) wird der Brauch des dort benik genannten Christklotzes nur am Dreikönigstag eingehalten. Vor Sonnenuntergang gehen die Männer dieser Orthodoxen Region in den Wald, um eine Buche zu fällen. Dabei werden Wettbewerbe veranstaltet um auszumachen, wer mit seinem Baumstamm als erster nach Hause kommt. Die Stämme werden zunächst in die Innenhöfe gebracht und gegen die Hausmauer gelehnt. Wenn man am Abend den Klotz ins Haus bringt, muss man dafür Sorge tragen, dass das gefällte Ende des Baums auf die letzten Sonnenstrahlen gerichtet wird. Erst nach Sonnenuntergang wird der Klotz angezündet.

Heiligabend heißt auf albanisch “Nata e Krishtit” (=dt. die Nacht des Christus). Unter den Katholiken im Kosovo war es Brauch an diesem Tag zu Fasten. So kommt traditionell an diesem Abend kein Fleisch auf den Tisch. Traditionelle Speisen sind Bohnensuppe, Fisch und Blätterteig gefüllt mit Wallnüssen und Kürbis. Am Heiligabend wird der Tisch nicht abgedeckt. Er muss als Zeichen der Dankbarkeit für den Wohlstand und als bitte für Wohlstand im kommenden Jahr voll mit Lebensmitteln bleiben. Auch wird das Licht über den reich gedeckten Tisch nicht über Nacht ausgemacht.

 

Lange Grußworte für Gast und Gastgeber

In den folgenden Weihnachtstagen besucht man seine Verwandten, Bekannten und Freunde und man erhält auch selbst viel Besuch. Charakteristisch für den Kosovo sind die üblichen und teilweise langausfallenden Grußworte des Hausherren und der Gäste. Der Hausherr begrüßt seine katholischen Gäste “Gelobt sei Jesus Christus.” Die Gäste antworten “In Ewigkeit und während des ganzen Lebens,” der Hausherr “Wir danken Gott, dass er euch zu uns geführt hat. Willkommen. Frohe Weihachten. Mögen dieser Weihnachten euch alle behüten und euch alles Gute bringen. Möget ihr jedes Jahr aufs neue immer bessere Weihnachten feiern und so wie es euer Herz wünscht!” Die Gäste antworten der Reihe nach “Gelobt sei Jesus Christus,” der Hausherr “In Ewigkeit und während des ganzen Lebens,” der Gast “Gott schenke euch Wohlstand. Es freut uns, dass ihr dieses Fest gut behütet und Gesund feiert. Möget ihr viele weitere Weihnachten feiern. Mögen diese Weihnachten euch Glück, Gesundheit und Wohlstand schenken.” Dieser Gruß spricht man aus mit einem Gläschen Raki oder Rotwein in der Hand. Geschenke spielen zu Weihnachten keine große Rolle. Wenn, dann werden die Kinder mit kleinen Geschenken bedacht. Weihnachten ist eher ein religiöses Familienfest, wo der Kommerz und Konsum nur zweitrangig wenn nicht gar drittrangig ist.

 

 

 

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