5 Fragen an den Albanienrückkehrer Benjamin Knobloch

20. November 2017 | Von | Kategorie: Berichte

Benjamin Knobloch hat von August 2016 bis Juli 2017 einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst bei Nehemiah Gateway in Pogradec absolviert. Heute studiert er Südosteuropa-Wissenchaften an der FSU Jena. Wir haben ihn dort abgefangen und mal nachgefragt, wie es dazu kam.

Foto: privat

Frage: Du hast einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst bei Nehemiah Gateway in Pogradec absolviert. Wie kam es dazu?

Benjamin Knobloch: Ja, wie so manche junge Menschen in meinem Alter wusste ich nach dem Abitur noch nicht so recht, was oder ob ich überhaupt studieren sollte. Da schien mir ein entwicklungspolitischer Freiwilligendienst nochmal eine gute Gelegenheit einerseits mich neu zu fokussieren und andererseits einem jahrelang gewachsenen Fernweh nachzukommen.

Dass die Wahl auf Albanien und Nehemiah Gateway viel, war eigentlich völliger Zufall. Als meine Trägerorganisation mir den Vorschlag Albanien machte, assoziierte ich das Land eigentlich nur mit seiner hübschen Flagge, ansonsten war es für mich ein komplett schwarzer Fleck auf der Landkarte. Aber gerade dieses Unbekannte hat es interessant und spannend gemacht, weshalb ich letztendlich zusagte.

Frage: Was hast du den im Rahmen des Friewilligendienstes so gemacht?

Benjamin Knobloch: Nehemiah Gateway ist eine sehr große Hilfsorganisation mit vielen verschiedenen Projekten. Ich bekam die Möglichkeit, alle 3-4 Monate in einem anderen Projekt mitzuhelfen, so dass es nie langweilig wurde. Am Anfang half ich in einer Holzwerkstatt-AG in einer Schule für ärmere, vor allem aber für Roma-Kinder mit. Danach unterrichtete ich bei einem Deutschkurs für Albaner, die in Deutschland arbeiten wollten. Zuletzt arbeitete ich bei einer Pfadfindergruppe, die tägliche Treffen und verschiedene Sommercamps veranstaltete.

Frage: Du hast ja nicht nur gearbeitet. Wie lief es so jenseits der Arbeit?

Benjamin Knobloch: Neben der Arbeit konnte ich nach und nach die albanische Kultur und Lebensweise immer näher kennenlernen und erleben. Es war letztendlich nicht schwer, bei solchen offenen Menschen Freunde zu finden, so dass ich mich an den Wochenenden normalerweise in Cafés, auf Fußballplätzen, oder im wunderschönen Ohrid-See wiederfand.

Mein letzter Aufenthaltsmonat war dann auch wohlverdienter Urlaub. Da bin ich mit Freunden in Albanien umher gereist und habe verschiedene Städte und, meine ganz persönliche Präferenz, die verschiedenen großen Gebirgsseen des Landes angeschaut.

Frage: Was hat dich am meisten beeindruckt in Albanien? Und was hättest du nie im Leben erwartet?

Benjamin Knobloch: Mich hat sehr vieles beeindruckt, da ich das Land ja überhaupt nicht kannte. Eine Sache ist, wie präsent und bewusst in Albanien Kultur gelebt wird. Es war spannend, gerade für mich als globalisierten Deutschen, jeden Tag neue kulturelle Eigenheiten zu entdecken, die für den albanischen Alltag selbstverständlich sind. Als ein großes Beispiel, das Tanzen. Bei jeder Feier, ob nun Geburtstage, Hochzeiten oder manchmal auch ganz unverblümt wurden die albanischen Volkstänze getanzt. Das habe ich in Deutschland schon wieder ein bisschen vermisst.

Foto: privat

Was definitiv noch eine Erwähnung wert ist: die unglaubliche Schönheit dieses Landes. Seien es nun die majestätischen Berge und klaren Gebirgsseen, unberührte Landstriche mit versteckten Dörfern oder die blaue Adriaküste. Albanien ist nicht nur abwechslungsreich, sondern auch ein zu entdeckendes Juwel, das vom Massentourismus bis jetzt noch relativ verschont geblieben ist.

Ich hätte nicht erwartet, dass es in Europa noch Orte gibt, die praktisch vom Rest der Welt abgeschnitten und geradezu unentdeckt sind, wie einige albanische Bergdörfer.

Frage: Was würdest du einem jungen Menschen auf dem Weg geben, der sich entschieden hat, in Albanien oder Kosovo seinen Freiwilligendienst zu absolvieren?

Benjamin Knobloch: Ich würde ihm raten, sich wirklich auf Land, Leute und Kultur einzulassen. Er könnte Albanisch lernen, soll sich zum Kaffeetrinken einladen lassen und all die Freundlichkeit, die ihm entgegengebracht werden wird, erwidern. Er sollte ruhig versuchen, sich zu integrieren, mitzutanzen  wenn getanzt wird, und die Zeit einfach genießen. Und ansonsten sollte er unbedingt Pogradec und den Ohrid-See besuchen oder einfach mal in den Bergen gewesen sein, wo weit und breit nicht ein Zeichen von Zivilisation zu erkennen ist.

Wer Interesse an einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Albanien oder Kosovo hat, kann bei Weltwärts nach Einsatzorten und -angeboten suchen.

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