Geschichten und Mythen aus den albanischen Bergen

21. Mai 2017 | Von | Kategorie: Veranstaltungen

Foto: Peter-Hugo Scholz

Mythen und Märchen, Sagen und Legenden faszinieren seit jeher, wegen ihrer Wucht, der präzisen Knappheit und der kühlen Selbstverständlichkeit, mit denen die conditio humana umrissen wird. Der albanische Raum ist besonders reich an Mythen und Geschichten, die eine bemerkenswerte, epische Erzähltradition besitzen. Der Kanun, das mündlich überlieferte alte albanische Gewohnheitsrecht, das sich im schwer zugänglichen nordalbanischen Bergland über Jahrhunderte, womöglich Jahrtausende erhalten hat, und bis tief ins zwanzigste Jahrhundert hinein eine unangefochtene Gültigkeit besaß, bildet das Rückgrat der albanischen Identität. In seinen Grundfesten atmet er einen archaischen, homerischen Geist. Dies bedeutet, dass die „historische Ungleichzeitigkeit“ zwischen dem traditionellen und dem urbanisierten Teil des Landes besonders ausgeprägt ist. Die albanische „Renaissance“ (alb. Rilindja = Wiedergeburt) zwischen 1870 und der Unabhängigkeitserklärung Albaniens am 28. November 1912, auch als Folge auf die anderen südosteuropäischen Nationalismen und Staatsgründungen, hatte gleichzeitig früh erkannt, dass die moderne Identität der Albaner sich unweigerlich an Westeuropa, an den Prinzipien der Aufklärung orientieren sollte. Dieser transformative Prozess kann gelingen, doch vielleicht ist es auch eine Frage von Jahrzehnten, wenn nicht von Jahrhunderten.Die aus Albanien stammende Autorin und Publizistin Anila Wilms greift in ihrem Krimi „Das albanische Öl oder Mord auf der Straße des Nordens“ einen Abschnitt der Geschichte Albaniens in Form eines historischen Romans auf. Die Handlung: Zwei junge Amerika- ner werden in den frühen zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts auf einer Brücke in den nördlichen, schwer zugänglichen albanischen Bergen ermordet.

Danach entsteht eine Diskussion über das Motiv des Mordes – war es ein Anschlag?

„Als Albanien nach dem Ersten Weltkrieg wieder unabhängig wurde, machten sich die Leute daran, eine parlamentarische Demokratie nach europäischem Vorbild aufzubauen. Vier Jahre lang hat es ein Parlament gegeben. Der Roman beschreibt den Moment, an dem sich herausstellte, dass dieses Demokratie-Modell untauglich war für das Land und der Tod dieses demokratischen Experiments. (…) Es war ein Kampf aller gegen alle, und sie waren einfach völlig unfähig zum Kompromiss. Nach 1924 hat niemand mehr versucht, in Albani- en eine Demokratie zu etablieren. Bis 1992“, so Anila Wilms in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. In literarischer Hinsicht habe sie – wie viele aus und in Albanien – der Schriftsteller Ismail Ka- daré, der 1990 nach Frankreich emigrierte, stark beein usst.

Mit „Im Gespräch mit…“ wird eine Veranstaltungsreihe der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz fortgesetzt, bei der AutorInnen, WissenschaftlerInnen und ZeitzeugInnen zu Wort kommen.

 

Im Gespräch mit… Anila Wilms

Geschichten und Mythen aus den albanischen Bergen

Di, 23. Mai 2017 18.15 Uhr
Landeszentrale für politische Bildung
Am Kronberger Hof 6,
55116 Mainz

18.15 Uhr Begrüßung
Rainer Ullrich – Landeszentrale für politische Bildung

Einführung und Moderation
Prof. Dr. Hans-Christian Maner – Historisches Seminar der Johannes Guten- berg-Universität Mainz

Vortrag, Lesung und Gespräch
Anila Wilms – Historikerin, Autorin und PublizistinFragen und Diskussion

Veranstalter:

 

 

 

 

 

 

Letzte Beiträge

Teilen:

Facebooktwitterredditpinterestlinkedintumblrmail
Schlagworte: , , , ,

Schreibe einen Kommentar