Jenseits der Strandpromenade in Saranda: Das Kloster der heiligen 40 Märtyrer lädt zu einer Reise in die Vergangenheit ein

26. April 2017 | Von | Kategorie: Berichte

Blick über die Klosterruinen nach Ksamil

„Auf den Hügeln im hinterem Teil Sarandas, doch etwas südlicher, befindet sich eine weitere Ruinengruppe“ Sie gehört dem byzantinischem Dorf Lëkurës. Dort sind eingestürzte Häuser und Kirchen zu bewundern, wo gute Freskenreste and den inneren Wänden noch erhalten sind. Es gibt dort auch eine wunderschöne türkische Festung, doch auch sie ist den Menschengesetzen unterzogen und hat dasselbe Schicksal wie die Kirchen erlebt, auf deren Ruinen sie aufgebaut war…. Von Lëkurës  aus kann man eine wunderschöne Landschaft geniessen. Vom Süden ist die Bucht von Saranda, das Ionische Meer und die schöne Insel Korfu zu sehen; gegenüber liegt die Halbinsel Sankt Georg auf deren Ende sich Butrint befindet; links der See von Vivar…“

So beschrieb der italienische Archäologe Luigi Maria Ugolini 1927 die Ruinen des Klosters der 40 Märtyer. Heute, 90 Jahre später, hat sich daran wenig geändert. Das Kloster wird gemeinhin ins 3. Jh. nach Christus datiert – als Pilgerort für römische Soldaten, die dort die 40 Legionäre verehrten, nach denen das Kloster genannt wurde. Der Legende nach, entstand der Kultus der Heilige 40 Märtyrer auf Grund des Opfers, das 40 Soldaten des Legio XII Fulminata der Garnison von Sebaste in der römischen Provinz Armenia während der Herrschaft des Kaisers Licinius (308-324) brachten. Gefangen genommen, wurden sie der Wahl ausgesetzt, zu konvertieren oder zu sterben.  als sie sich weigerten mussten sie sich völlig entkleiden und die Nacht auf einem zugefrorenen See zu verbringen. Am Ufer lockte ein geheiztes Badehaus diejenigen zu aufwärmen ein, die einsichtig waren und sich vom Christentum abwandten. Doch nur einer ging in das Badehaus; als er es betrat fiel er tot um. Einer der Soldaten wiederum, der die Christen bewachen sollte erblickte eine Lichterscheinung über ihnen und Bekehrte zum Christentum. Er entkleidete sich und stellte sich zu den frierenden. Als sie am nächste Morgen auf wundersamer Weise noch am Leben waren, wurden ihnen die Gliedmaßen gebrochen. Ihre Leichen wurden verbrannt in in die Asche in einem Fluss geworfen.

Das Kernstück des Klosters bildet eine noch im 3. Jahrhundert gebaute Basilika, deren Größe auf hohe finanzielle Aufwendungen und eine groß Zahl an Arbeitskräfte deuten; finanziert wurde der Bau von der Hauptkirche in Konstantinopel. Darüberhinaus deuten einige Inschriften auf den Mauern auf verschiedene private Stifter hin. Die auf den Ruinen diverser Vorgängerbauten errichtetet Basilika – oder was von ihr Ende des 20 Jh.s noch übrig war –, weisst gewisse Ähnlichkeiten mit andern Pilgerstätten der späten Antike und des frühen Mittelalters auf. Auf einer der Hauptrouten ins Heilige Land liegend entwickelte sie sich zur wichtigen  Zwischenstation für viele Pilger auf dem Weg nach Jerusalem. Die Ruinen des Klosters weisen einige Bäder und mindestens sechs Taufbecken nach sowie einer Vielzahl an Nischen, innerhalb der Kirche, wo Pilger beichten konnten, bevor sie getauft wurden.

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts war die verlassene Klosteranlage noch einigermaßen gut erhalten, wie Fotografien von Luigi Maria Ugolini aus den 1920er Jahren bewiesen – trotz schwere Schäden, die eine Explosion von dort von griechischen Militärs gelagerte Munition im Jahre 1878 verursacht wurden. Im 2. Weltkrieg wurde das Kloster abwechselnd von britische und deutsche Streitkräfte unter Beschuss genommen; bis Ende der 1980er Jahre fand die Anlage militärische Nutzung durch die albanische Volksarmee.

In den letzten Jahren wurden die unterirdischen Bereiche des Klosters restauriert; die dort geretteten kulturhistorischen Schätze können heute von Besucher und Touristen aus alleer welt besichtigt werden.

(Ylber Hysi)

Ylber Hysi hat 2016 einen zweisprachigen Klosterführer publiziert. Dieser ist im lokalen Buchhandel oder direkt vom Autor erhältlich. Der Autor steht auch für Führungen der Klosteranlage zur Verfügung: +355 (0)68 2249727; ylberhysi(a)yahoo.com

 

 

 

 

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