Ein „neuer“ Reisebericht aus den 1920er Jahren findet den Weg ins Bücherregal

16. Januar 2017 | Von | Kategorie: Bücher

Richard Busch-Zantner: Die Republik der Skipetaren. Albanien, wie ich es sah. Hrsg. Michael Schmidt-Neke, Robert Elsie. Centre für Albanian Studies, London, in Zusammenarbeit mit der DAFG, Halle 2016. Paperback 200 S. (Albanian Studies 34) ISBN 9781541252516

Wer sich in der älteren deutschsprachigen Literatur über Albanien auskennt, ist wahrscheinlich schon auf das 1939 im Goldmann-Verlag, Leipzig, erschienene Buch „Albanien – neues Land im Imperium“ von Richard Busch-Zantner gestoßen, eine politische Landeskunde aus damaliger deutscher Sicht, die die Annexion Albaniens durch Italien gerade noch aufnehmen konnte.

Busch-Zantner (1911-1942) war ein junger ambitionierter Experte für Südosteuropa, der besonders sozialgeographischen Fragen nachging. In seinem kurzen Leben (er fiel in der Sowjetunion) schrieb er über 100 Aufsätze und etliche Bücher.

Im Sommer 1927 reiste er mit seiner Mutter zum ersten Mal nach Albanien. Es war eine Zeit des Überganges. Ahmet Zogu hatte Ende 1924 die Macht übernommen und Anfang 1925 eine diktatorische Präsidialrepublik begründet. Anschließend führte er Albanien in eine enge Abhängigkeit vom Italien Mussolinis. 1928 ließ er sich mit Einverständnis Mussolinis zum König ausrufen.

Es gibt ziemlich viele Reiseberichte und politische Analysen über das Königreich Albanien, aber sehr wenig über Zogus Republik. Daher ist es ein Glücksfall, dass Richard Busch-Zantner seine Erlebnisse in einem 200seitigen Manuskript festhielt, das er veröffentlichen wollte. Diese Hoffnung zerschlug sich wohl aus dem Grund, der diesen Bericht für uns so interessant macht: der Autor war damals knapp 17 Jahre alt.

Das Manuskript liegt seit langer Zeit im Geographischen Institut der Universität Erlangen, wo Busch-Zantner studiert hat. Die DAFG wurde darauf aufmerksam und hat sich entschlossen, es zu veröffentlichen.

Es bietet weit mehr, als das Alter seines Autors erwarten lässt. Es ist eine ungewöhnlich reflektierte Auseinandersetzung eines mit Sicherheit hochbegabten Jungen aus dem konservativen, deutschnationalen bayerischen Bürgertum mit einem damals fast unbekannten Land und seiner weltpolitischen Rolle. Vieles sah er sehr klar, wie die bevorstehende Königsproklamation Zogus; in anderen Punkten waren seine Einschätzungen abwegig, so der Durchbruch des Protestantismus auf dem Balkan.

Zur Einordnung Busch-Zantners und seines Buches dient die Einführung durch Michael Schmidt-Neke, die sich mit dem Lebenslauf des Autors, seiner lebenslangen Beschäftigung mit Albanien und bemerkenswerten Aspekten dieses Buches auseinandersetzt.

 

Das Buch ist für 13,50 € (inkl. Versand) bei der DAFG oder direkt beim Herausgeber zu bestellen.

 

 

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