Der Streit um Hoheitsrechte in der Straße von Korfu erreicht Oktober 1946 seinen Höhepunkt

22. Oktober 2016 | Von | Kategorie: Kalenderblatt

Die Straße von Korfu von Norden mit Saranda im Vordergrund und die Insel Korfu oben rechts. Foto: Wikipedia/Albinfo

Am 22. Oktober 1946 fahren vier britische Kriegsschiffe vom Hafen Korfus aus durch der Wasserstaße zwischen der Nordspitze der Insel und Butrint und verletzen dabei wissentlich die von Albanien beanspruchte, aber von Großbritannien nicht anerkannte Drei-Meilen-Zone. Da britische Schiffe bereits einige Monate zuvor in dieser Meerenge von albanischer Seite aus beschossen wurden, haben sie Befehl, das Feuer gegebenenfalls zu erwidern. Der Zerstörer „Saumarez“ läuft auf eine Seemine auf und wird schwer beschädigt; der Zerstörer „Volage“ will ihm zu Hilfe kommen und läuft seinerseits auf eine Seemine auf. 39 Menschen werden getötet, 44 z.T. schwer verletzt.

Die HMS Saumarez wurde durch eine Seemine stark beschädigt. Foto: Imperial War Museum

Auf internationaler Ebene tauschen beide Seiten schwere Vorwürfe aus: London wirft Tirana vor, die Meerenge widerrechtlich vermint zu haben, ohne dies zu veröffentlichen und dadurch den Tod bzw. die Verwundung der britischen Matrosen verschuldet zu haben. Albanien beschwert sich über die angeblichen ständigen Verletzungen seines Territoriums durch die Briten und erklärt, die Verminung der Meerenge von Korfu weder veranlasst zu haben noch davon zu wissen. (Wegen des damals beherrschenden Einflusses der Jugoslawen in Albanien kann in der Tat nicht ausgeschlossen werden, dass die Verminung an den albanischen Behörden vorbei vom jugoslawischen Militär durchgeführt wurde.)

Der Internationale Gerichtshof erklärt 1949 Albanien für verantwortlich für die Verminung und verpflichtet es zu einer Entschädigung von 844.000 britischen Pfund, obwohl es die vier Wochen nach dem Zwischenfall durchgeführte Minenräumaktion der Briten für eine Hoheitsverletzung hält. Albanien erkennt das Urteil nicht an. Großbritannien behält daraufhin das von den Deutschen in Rom beschlagnahmte Gold der albanischen Nationalbank ein. Diese Auseinandersetzung verhindert die Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen bis 1991.

 

 

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