Stofftiere gegen den bösen Blick

18. August 2015 | Von | Kategorie: Berichte

_84583130_dummytop_alamyWarum werden in ganz Albanien diese vom Wetter zerzausten Plüschtiere an den Häusern aufgehangen?
Bei einer Fahrt durch Albanien kann man sie kaum übersehen. Diese vom Wetter gezeichneten Körpern werden majmune oder Affen genannt; eine Bezeichnung die für alle Stofftiere gebraucht wird. Als die Autorin und Aktivistin Elizabeth Gowing durch die Vororte Tiranas ging, sah sie an vielen der halb fertig gebauten Gebäude einen solchen ‚Affen‘. Sie fragte nach.

_84602406_childflag_gettyMan würde vermuten, es hat etwas mit der Religion zu tun. Aber in diesem einst offiziell atheistischem Land hat es damit nichts zu tun: „Religion ist nicht wichtig“ war eine häufige Antwort. Es ist aber etwas noch ernsteres: Diese Stofftiere schützen vor dem bösen Blick. Denn wenn du etwas schönes besitzt, wollen es andere dir wegnehmen. „Es hält den bösen Blick fern“, antwortet ein Hausbesitzer. Er sei kein Abergläubiger Mensch, deswegen hatte dieser auch keinen majmune aufgehängt. Aber als die Polizei Probleme bereitete entschied er sich dafür, und seitdem habe es keine Probleme mehr gegeben.
Natürlich ist dieser alter Brauch, das Böse von besonderen Orten fernzuhalten, nicht einzig in Albanien üblich. Quer über Europa wurde und wird nach wie vor Knoblauch dafür verwendet. So war es auch in Albanien eine alte Tradition, Knoblauch zu diesem Zweck aufzuhängen. Doch Plüschtiere zu verwenden ist etwas, dass erst in den 90er Jahren Verwendung fand. So, meint Elizabeth Gowing, könnten sie  auch als Hausgötter des Kapitalismus bezeichnet werden.

Siehe ausführlicher dazu: ‚The troubleshooting teddies of Tirana‘. Die Autorin Elizabeth Gowing, bekannt für ihre Landeskunde ‚Edith and I‘, veröffentlichte zuletzt das Buch ‚The Rubbish Picker’s Wife: an unlikely friendship in Kosovo‘ .

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