Der 2. Juli 1990: Sturm auf die Botschaften

2. Juli 2015 | Von | Kategorie: Kalenderblatt

LastwagenAm 2. Juli 1990 durchbrach ein Lastwagen die Mauer der gerade neu erbauten Deutschen Botschaft in Tirana. Neben dem LKW-Fahrer und dessen Familie nutzten vier Männer die entstandene Öffnung, um auf dem Gelände Zuflucht zu suchen. Damit setzen sie den Anfang für eine Welle von  Flüchtlingen, die in den folgenden Tagen auf das Gelände der gerade neu erbauten Deutschen Botschaft strömten. Alles in der Hoffnung, auf diesem Weg ihr Land zu verlassen.

 

Botschaftsmitarbeiter bei einer Durchsage.

Botschaftsmitarbeiter bei einer Durchsage.

Die deutsche Botschaft war aber nicht die einzige, die ‚Gestürmt‘ wurde: Am nächsten Tag befanden sich mehr als 60 Flüchtende in vier westlichen Botschaften. Am folgenden Tag suchten erneut 77 Menschen Zuflucht, allein in der deutschen Botschaft.

Der Stein war ins Rollen gekommen und immer mehr Menschen strömten auf die Gelände der ausländischen Delegationen: Allein der deutsche Botschafter Werner Daum beherbergte am 6. Juli 1.500 albanische Gäste.

 

Die Flüchtlinge lagern sich im Innenhof des Kanzleigebäudes.

Die Flüchtlinge lagern im Innenhof.

Es kamen mehr als 3200 Männer, Frauen und Kinder auf das Gelände der kleinen deutschen Botschaft. Zehn Tage campierten sie dort, notdürftig betreut vom Botschaftspersonal. Der albanische Staat ließ immer wieder Wasser und Strom abdrehen um Druck auszuüben. Nahrungsmittel und Trinkwasser fehlten, und die sanitären Anlagen waren überfordert: Das gerade fertiggestellte Botschaftsgebäude hatte nur acht Toiletten.

 

Garten und Residenz am 8. Juli 1990 Es werden 3199 Zufluchtsuchende gezählt.

Garten und Residenz am 8. Juli 1990.

Vermittlt durch den UNO-Gesandten Staffan di Mistura wurden die rund 5000 Flüchtlinge, die in den Botschaften Deutschlands, Italiens, Frankreichs und Griechenlands Zuflucht gesucht hatten, in der Nacht vom 12. auf den 13. Juli mit Bussen nach Durrës gebracht, wo sie mit Fährschiffen das Land verlassen konnten.

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