Bericht vom Folklorefestival in Gjirokastra

5. Juni 2015 | Von | Kategorie: Berichte

BühneAlle fünf Jahre wird in Gjirokastra das Nationale Folklorefestival abgehalten. Dieses außerordentliche Ereignis der Albanischen Volksmusik und des Volkstanzes fand dieses Jahr vom 10. bis 16. Mai auf der Bühne der Burg von Gjirokastra vor der grandiosen Bergkulisse statt. Es ist eine Präsentation der albanischen Volkstrachten aus aller Welt und der traditionellen Musik aus allen Gegenden der albanischen Zunge.
Das Nationale Folklorefestival hat eine lange Tradition, das erste Mal fand es 1968 statt und jährt sich 2015 zum 10. Mal.

AnsichtDieses Jahr sind dort rund 1.300 KünstlerInnen, überwiegend Laien aufgetreten, etwa 1.000 aus Albanien, 150 aus dem Kosovo, 100 aus Makedonien und 50 aus Montenegro, dazu kamen etwa 80 Teilnehmende aus der albanischen Diaspora, der Arbëreshen Italiens, der Albaner in den USA, der Schweiz und der Türkei. Das Festival ist kein isoliertes Musik- und Tanzevent, sondern es wird monatelang vorbereitet, indem schon in den einzelnen Bezirken die Folklore-Gruppen gegeneinander antreten.

Für das kleine Museumsstädtchen Gjirokastra, als UNESCO-Kulturerbe-Stätte auch international bekannt, ist das Folklorefestival das wichtigste Großereignis. In der ganzen Stadt flatterten bunte Wimpel über den Straßen, die Altstadt am Berg war besonders geschmückt und überall begrüßten Transparente die Besucher. Gegen sieben Uhr abends, wenn der Wettbewerb so langsam begann, strömten hunderte von Menschen aus allen Teilen Albaniens hinauf zur Festung, darunter zahlreiche Gruppen in ihren farbenprächtigen Volkstrachten. Die Vielfalt der vorgestellten Trachten war sehr beeindruckend. Im Norden dominieren bei den Männern bekanntlich die weißen Filzhosen mit den aufgesetzten schwarzen Streifen, während im Süden die knielange Fustanella das Bild der Männertrachten bestimmt. Den Bauerntrachten der Frauen mit ihren bunten Schürzen, oder der schweren schwarzen „Xhubleta“, einem Filzrock, aus dem Norden, stehen dagegen die reich verzierten, gold- und silberdurchwirkten Kleider der reichen Städterinnen gegenüber.

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Die Musik- und Tanzdarbietungen waren äußerst abwechslungsreich und vielfältig. Meistens fand ein Wechsel von Gesangs- und Tanzdarbietungen statt. Auch hier unterscheiden sich die nördlichen epischen Heldenlieder und Rhapsodien grundlegend von der einmaligen südalbanischen Polyphonie. Die polyphonen Gesänge des Südens kommen meist ohne Begleitinstrumente aus. Ebenso vielfältig wie die verschiedenen Musikrichtungen sind auch die Tanzdarbietungen, Reigen- und Paartänze, Männertänze mit akrobatischen Einlagen, Kampftänze des Nordens, Frauentänze in luftiger Bewegung oder auch in würdevollem, gemessenem Schreiten.

In der Gesamtbewertung bekam der Bezirk Tirana den ersten Preis, die Bezirke Korça und Berat je einen zweiten und der Bezirk Lezha und Montenegro je einen dritten Preis.

Der Abschluss des Festivals, der „Gala-Abend“ mit der Preisverleihung bildete einen vielfältigen Ausklang, weil dort noch einmal einzelne Volksmusikdarbietungen mit leichter Musik und modernen Jazz-Elementen gemischt wurden. So war diese 10. große Darbietung der albanischen Volkskultur, ein erfolgreiches und wunderbares Erlebnis für Augen und Ohren.

Jochen Blanken

 

 

 

 

 

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