Oda Buchholz in memoriam

20. Januar 2014 | Von | Kategorie: Verein

Oda Buchholz (1940-2014)

Die Philologin, ausgezeichnete Kennerin  der albanischen Sprache und international anerkannte Vertreterin der albanischen Sprachwissenschaft Oda Buchholz ist tot. Am 2. Januar, wenige Wochen vor ihrem 74. Geburtstag, verstarb sie nach langer Krankheit in Berlin. Sie hinterlässt zwei erwachsene Töchter. Die kosovo-albanische Zeitung „Koha Ditore“ (11.01.2014) schrieb über sie unter der Überschrift: „Oda Buchholz – eine besondere Stimme der deutschen Albanologie, eine Freundin der Albaner“.

Von 1959 bis 1961 studierte sie als eine der ersten (deutschen) Studenten im albanischsprachigen Raum an der Fakultät für Geschichte und Philologie der Staatlichen Universität zu Tirana „Albanische Sprache und Literatur“. Aufgrund  des Bruchs der politischen Beziehungen zwischen Albanien und der DDR konnte sie ihre Studien in Tirana nicht fortsetzen und legte 1964 ihr Staatsexamen an der Humboldt-Universität zu Berlin im Hauptfach Albanologie sowie im Nebenfach Bulgarische Sprache und Literatur mit „Auszeichnung“ ab. Oda Buchholz gehörte zu jener kleinen Gruppe von Nachwissenschaftlern, die mit großem Engagement an der Akademie der Wissenschaften in Berlin die reichen Traditionen deutschsprachiger Albanienforscher im 19. und 20. Jahrhundert nach dem Zweiten Weltkrieg aufnahmen und erfolgreich weiterführten.

Im Jahre 1969 verteidigte sie ihre Dissertation (Promotion A) mit dem Titel „Zur Verdopplung der Objekte im Albanischen“, die 1977 veröffentlicht wurde. In enger Zusammenarbeit mit W. Fiedler konnte sie grundlegende albanistische und balkanlinguistische Arbeiten fertigstellen. In den Jahren 1979-1989 war Oda Buchholz zudem in der Hochschullehre in den Fächern „Albanische Syntax“, „Sprachpraxis des Albanischen“ sowie „Translation Albanisch-Deutsch, Deutsch-Albanisch“ als Lehrbeauftragte in der Albanisch-Ausbildung an der Humboldt- Universität zu Berlin tätig. Sie nahm darüber hinaus an wichtigen Kongressen sowie auch an Weiterbildungsveranstaltungen auf dem Gebiet von Sprache und Kultur im In- und Ausland teil. In diesem Rahmen folgte sie wiederholt Einladungen nach Kosovo und erwarb aufgrund ihres Wissens in der Albanologie und auch in der Balkanologie sowie nicht zuletzt infolge ihrer aufgeschlossen-kooperativen und auf Wissenserweiterung orientierten Haltung zunehmend internationale Anerkennung. Im Jahre 1988 erlangte sie die Lehrbefugnis für das Fach Albanologie. Die Grundlage hierfür bildeten ausgewählte Kapitel der 1987 erschienenen „Albanischen Grammatik“. Das Verfahren zum Erwerb der Lehrbefugnis musste Oda Buchholz zu Beginn der 1990er Jahre aufgrund der damaligen hochschulpolitischen Situation im Land Berlin wiederholen. Sie arbeitete zu dieser Zeit und danach als lehrbeauftragte Hochschullehrerin für Albanologie und Balkanologie an der Freien Universität zu Berlin. Allerdings sollte diese Tätigkeit nicht lange anhalten und sie  konzentrierte sich auch infolge ihrer sich verschlechternden Gesundheit auf die Translation Albanisch-Deutsch sowie Deutsch-Albanisch. Darüber hinaus war sie gegen Ende der 1990er Jahre bis 2010 im Staatlichen Prüfungsamt für Übersetzer beim Senat von Berlin für Albanisch tätig.

Ihr Wirken ist unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen zuzuordnen. Hierzu gehört in erster Linie die Albanistik und Balkanlinguistik. Es erfasste oft Fragen der Syntax, des Nominalsystems und der Lexik der albanischen Gegenwartssprache mit Bezügen zum Deutschen und zu den Balkanprachen sowie die Herausbildung des albanischen Standards im 19. Jh. Weitere Tätigkeitsbereiche sind bis zum Erscheinen des albanischen Wörterbuches, das sie in enger Zusammenarbeit mit Wilfried Fiedler und Gerda Uhlisch fertig stellte, vorzugsweise die Lexikographie, hernach die albanische Grammatik,  Lexikonartikel über ausgewählte Werke der albanischen Literatur (Bratislava 1989, Leipzig 1990) sowie ihre Lehrtätigkeit auf den Gebieten Albanisch als Fremdsprache und Balkanologie.

Oda Buchholz setzte sich engagiert für die Institutionalisierung ihres Faches an den Hochschulen sowie in der Akademie der Wissenschaften in Berlin ein. Sie wurde zudem einer breiteren Öffentlichkeit durch wichtige literarische Übersetzungen aus dem Albanischen bekannt, die sie oftmals in Zusammenarbeit mit Wilfried Fiedler u.a. erstellte. Hierzu zählen beispielsweise „Der General der toten Armee“ von Ismail Kadare (1977, 1988), Anthologien albanischer Poesie aus Kosovo (1979, 1988), Übersetzungen von Novellen von Kadare (1988, 1989) und von Erzählungen von Dhimitër Shuteriqi und Dritëro Agolli (1985, 1987) sowie von Agollis Roman „Zylo oder die abenteuerliche Reise durch die Welt von Bürokratien“ (1991). „Entkommen. Tagebuch eines Überlebenden aus dem Kosovo“ von Bardhyl Hoti erschien im Jahre 2000 und  der Poesieband von Bekim Morina 2006.

Oda Buchholz war eine kluge und aufrichtig denkende Lehrerin und Kollegin. Ungeachtet ihrer gesundheitlichen Probleme hat sie die Herzensverbundenheit zur albanischen Sprache und zum Land nicht verloren. Sie interpretierte das albanische Sprichwort „Unmöglich ist härter als Fels“ auf ihre Weise: für sie gab es kein „unmöglich“. Niemals versagte sie kollegialen Rat und Hilfe. Mit ihren Arbeiten und albanologischen Schriften hinterlässt sie Bleibendes zum Nutzen heutiger und künftiger Interessenten für die albanische Sprache und albanischsprachiger Gebiete. Die Albanologie und Balkanlinguistik haben einen großen Verlust erlitten und wir haben eine gute Freundin verloren.

Erwin Lewin, Dieter Nehring

Letzte Beiträge

Teilen:

Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedintumblrmail
Schlagworte: , , ,

Schreibe einen Kommentar