Waltraud Bejko ist gestorben

30. November 2013 | Von | Kategorie: Verein
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Waltraud Bejko (1933-2013)

Am 18. November 2013 ist nach schwerer Krankheit Waltraud Bejko, geb. Tunger, Autorin des im DAFG-Verlag erschienenen Buches „Albanien – Mein Leben“ in Gelsenkirchen gestorben.

Waltraud Tunger wurde am 18. Juli 1933 in einer Arbeiterfamilie in Chemnitz geboren. Nach dem Schulbesuch und einem Jahr Studium in Leipzig wurde sie 1953-1958 zum Studium der Agrarökonomie nach Moskau geschickt.

Dort lernte sie den Albaner Ilmi Bejko, der am gleichen Institut studierte, kennen. Auf den zweiten Blick verliebte sie sich in ihn, und beide wurden ein glückliches Paar fürs Leben. Nach Abschluss des Studiums und einem Praktischen Jahr in der DDR, bei dem auch die Liebe beider auf die Probe gestellt werden sollte, zog Waltraud im Sommer 1959 nach Albanien und heiratete Ilmi Bejko in der Provinz, in Fier, wohin Ilmi geschickt worden war. Sie arbeitete nie in ihrem Beruf, sondern hauptsächlich als Russisch-Lehrerin.

Ihr Leben in Albanien verlief dann doch etwas anders, als es sich beide vorgestellt hatten. Schon 1961 kam es zum Bruch Albaniens mit dem „revisionistischen Lager“, also auch der DDR. Damit war Waltraud fast 30 Jahre lang das Reisen in ihre Heimat verwehrt, und der Kontakt zu Eltern, Bruder und Verwandten – abgesehen von Briefen – so gut wie abgestorben.

1971 wurde Ilmi als Dozent an die Landwirtschaftliche Hochschule bei Tirana versetzt, während Waltraud als Deutsch-Übersetzerin und -Sprecherin in der Auslandsabteilung bei Radio Tirana arbeitete. Dort kam sie mit der DAFG in Berührung, weil seit 1972 deutsche Paare dort als Lektoren und Sprecher arbeiteten, zunächst Claudia und Karl-Heinz Oehm und dann seit 1974 Sabine und Peter Platzmann. Im Kontakt mit ihnen frischte sie ihr Deutsch auf und wurde nebenberuflich als Übersetzerin für deutschsprachige Zeitschriften und Verlage eingesetzt, auch als die Anfang 1976 mit ihrem Mann nach Kukës ins nördliche Albanien versetzt worden war. Von ihrem Aufenthalt dort sagt sie, man kennt Albanien nicht, wenn man nicht dort gelebt hat.

1984 kam sie mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern nach Kruja in der Peripherie Tiranas und erst nach der Wende wieder nach Tirana, wo sie auf Drängen ihres Schwiegersohns Fatmir Bektashi, der unter der ersten demokratischen Regierung stellvertretender Arbeitsminister geworden war, ihre Rücksiedlung ins wiedervereinte Deutschland betrieb.

Das gelang schließlich im Mai 1996, nachdem ihr ursprünglicher Antrag auf Wiedererlangung der deutschen Staatsbürgerschaft in einen Antrag auf Feststellung der deutschen Staatsbürgerschaft umgewandelt  worden war. Dabei stallte sich heraus, dass sie ihre deutsche Staatsbürgerschaft, die sie 1962, als sie die albanische Staatsangehörigkeit erhielt und dabei ihren deutschen Pass beim albanischen Sicherheitsdienst abgeben musste, verloren glaubte, nie verloren hatte! So erhielten Ende 1995 in der deutschen Botschaft Tirana sie, ihre beiden Kinder und beiden Enkel deutsche Pässe.

Mit Hilfe von Peter Platzmann landete sie mit ihrer Familie in Gelsenkirchen.

Die Tochter Aneta, die in Tirana Ärztin geworden war, erhielt sofort von der Ärztekammer Münster „aufgrund der Tatsache, daß Sie deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, …hiermit  die Approbation als  Ärztin“.

Waltraud begann, ihr 37jähriges Leben in Albanien als Mosaik aufzuschreiben und – von Ilmi redigiert – ins Albanische zu übersetzen. Unter dem Titel „Mein Tapsen durch Albanien“ erschienen ihre Erinnerungen zunächst auf Albanisch 2001 in Albanien als Buch und 2003 auf Deutsch im DAFG-Verlag unter dem Titel „Albanien – mein Leben“ unter der Redaktion von Michael Schmidt-Neke.

„Ihr – fast – ganz normales Leben im kommunistisch regierten Albanien ist für den westlichen Leser das erste Fenster aus den Alltag der Menschen jenes Landes in jener Zeit. Diese Lebensgeschichte ist unspektakulär, aber dennoch faszinierend“, heißt es im Vorwort von Michael Schmidt-Neke.

Ihr Mann Ilmi starb schon vor 4 Jahren. Waltraud Bejko, geb. Tunger, hinterlässt zwei Kinder, Aneta und Ilir, und zwei Enkel, Erina und Ardit, denen sie auch ihr Buch gewidmet hat. Ihrer Familie gilt unser Mitgefühl.

Der Vorstand der DAFG

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