Rekordverdächtig: 1921 hatte Albanien fünf Regierungen in einem Monat

11. Dezember 2011 | Von | Kategorie: Kalenderblatt

Das albanische Parliamentsgebaude der Zwischenkriegszeit

Die politische Instabilität in Albanien, das erst 1920 erneut seine Unabhängigkeit erlangt hat, erreicht Ende 1921 einen neuen Höhepunkt. Es kommt zu einem offenen Machtkampf zwischen der Regierung und dem Hohen Rat, dem vierköpfigen Gremien, welches den Staatsoberhaupt – formal noch Prinz Wied – in absentia vertrat. Die erst am 19. Oktober 1921 gebildete Koalitionsregierung der „Heiligen Union“ unter Pandeli Evangjeli, die zwar eine breitgefächerte Mehrheit im Parlament, aber nicht die großen Feudalfamilien hinter sich hatte, wird am Morgen des 6. Dezember zum Rücktritt gezwungen, um bewaffnete Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Der starke Mann im Hohen Rate, Aqif Pasha Biçaku aus Elbasan, setzt die Ernennung seines Kandidaten Qazim Koculi durch. Obwohl dieser hochkarätige Politiker wie Fan Noli und Luigj Gurakuqi zu Ministern machen will, wird er gezwungen, noch am Tage seiner Ernennung aufzugeben. Hasan Bej Prishtina, ein Vertreter der Kosovaren in der albanischen Politik, versucht am nächsten Tag sein Glück mit einem ganz ähnlichen Kabinett, muss aber schon am 11. Dezember aufgeben. Es wird eine geschäftsführende Regierung aus Beamten unter Idhomene Kosturi gebildet. Das Parlament setzt Aqif Pasha Biçaku und Bischof Luigj Bumçi, der Katholik im Hohen Rat, wegen Verletzung der Verfassung ab. Am 24. Dezember wird die fünfte Regierung in diesem Monat gebildet; Ministerpräsident wird Xhafer Bej Ypi, aber der neue starke Mann ist Biçakus schärfster Gegner, ein junger Stammesführer aus Mati: Ahmet Bej Zogolli. Der Marsch in die Diktatur hat begonnen.

 

 

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