Prof. Dr. Johann Knobloch (1919-2010)

17. August 2010 | Von | Kategorie: Verein

KnoblochJohann Knobloch wurde am 5. Januar 1919 in Wien geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters siedelte die Familie ins tschechoslowakische Znojmo um, wo er an einem deutschen Gymnasium 1938 das Abitur ablegte. Im selben Jahr begann er mit dem Studium der Sprachwissenschaft in Wien, wurde aber schon zu Kriegsbeginn eingezogen. 1940 wurde er schwer verwundet; er verlor ein Bein. Der Krieg war damit für ihn beendet und er setzte sein Studium fort. 1944 promovierte er mit einer wegen der Quellenbeschaffung kritisierten Arbeit über die Sprache der burgenländischen Roma. Er war danach an mehreren Universitäten in Österreich und Deutschland tätig, zuletzt von 1963 bis 1985 als Ordinarius am Sprachwissenschaftlichen Institut der Universität Bonn.

Obwohl das Albanische nie einer seiner Forschungsschwerpunkte war, erwarb er sich das Verdienst, gemeinsam mit dem albanischen Akademiepräsidenten Aleks Buda der Vater der Wissenschaftsbeziehungen zwischen Albanien und der Bundesrepublik Deutschland zu sein: Anknüpfend an die internationalen albanologischen Seminare der Universität Prishtina kontaktierte Knobloch die Akademie in Tirana. Dies führte zu einer ersten wissenschaftlichen Exkursion des Bonner sprachwissenschaftlichen Instituts im Herbst 1978 nach Albanien. Das Projekt wurde zu einer „Deutsch-Albanischen Sommerakademie“ (später: „Wissenschaftliche Begegnungen“) ausgeweitet und jährlich als Kombination von wissenschaftlichem und touristischem Angebot durchgeführt.

Damals scheiterten Versuche, diplomatische Beziehungen zwischen beiden Staaten aufzunehmen, an ungelösten Reparationsfragen aus dem II. Weltkrieg. Diese führten erst 1987 zum Erfolg. Die regelmässige, gemeinsame von Buda und Knobloch durchgeführte Sommerakademie machte es möglich, das Eis über Wissenschaftskontakte zu brechen. Auch Budas Besuch in Bonn im November 1981 muss vor diesem Hintergrund gesehen werden.

Johann Knobloch war ein liebenswürdiger Mensch und der ideale Moderator für derartige Kontakte, bei denen ideologische und wissenschaftstheoretische Dispute manchmal nicht zu vermeiden waren. Politisch war er desinteressiert, ja, manchmal geradezu blind. Das machte ihn für die Albaner zu einem geeigneteren Partner als es manch anderer Südost-Forscher von nationalkonservativer (oder schlimmerer) Provenienz waren.

Johann Knobloch starb ein Jahr nach seiner Frau am 25. Juli 2010 in Bonn. Sein Tod hat in Albanien und in Deutschland Trauer ausgelöst. Auch die DAFG wird ihn in ehrendem Andenken behalten.

Der Vorstand der DAFG

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