Dietmar Kurzeja (1947-2008)

6. Januar 2009 | Von | Kategorie: Verein

In den ersten Januartagen erfuhren wir, dass das eingetreten ist, was wir seit einiger Zeit befürchtet hatten: Unser Freund Dietmar Kurzeja ist am 29. Dezember 2008 an einer schweren Krankheit gestorben.

dietmar_dardhaDietmar wurde am 8. Juni 1947 geboren. Er setzte sich immer für soziale Gerechtigkeit ein und engagierte sich für Menschen, die es in unserer Gesellschaft besonders schwer haben. Im Anschluss an sein Studium der Sozialwissenschaften an der Universität Bochum veröffentlichte er 1973 ein Buch über Jugendkriminalität und Verwahrlosung. Später war er viele Jahre lang beim Deutschen Roten Kreuz in Hamburg beschäftigt. Er wurde schon 1979 Mitglied der DAFG. Er gehörte zu denen, die zunächst einen politischen Zugang zu diesem Land hatten, die von dem großen gesellschaftlichen Experiment, den rückständigsten Balkanstaat schnell wirtschaftlich und sozial zu modernisieren und dabei eine humane und gerechte Gesellschaft zu erbauen, fasziniert waren. Zwischen 1987 und 1990 arbeitete er im Vorstand der DAFG mit.

Dietmar gehörte zu denen, die ein Auge hatten für die immer deutlicher werdenden Widersprüche zwischen diesem Anspruch und den Realitäten, weil er jenseits der offiziellen Kanäle viele Freunde und Bekannte in Albanien hatte. Mit ihm konnte man jederzeit offene und kritische Diskussionen führen, bei denen es keine persönlichen Verletzungen gab.

Deshalb war für ihn Albanien nicht erledigt, als es seinen Anspruch aufgeben musste, das „Leuchtfeuer des Sozialismus“ zu sein. Er war immer da, wenn Arbeit zu leisten war. Das fing an bei der ermüdenden Arbeit in unserer damaligen Geschäftsstelle beim Verschicken von Büchern, Albanischen Heften und anderem; das ging über unsere Hilfstransporte Anfang der 90er Jahre, und es endete bei seinem Engagement für die Ortsgruppe Hamburg der DAFG.

Ohne Dietmar wäre auch diese letzte verbliebene Ortsgruppe nicht mehr am Leben, denn er war nicht derjenige, der die großen Vorträge hielt, sondern derjenige, der sich immer um Referenten, Raumreservierung, Getränke, Projektoren, Übernachtungsgelegenheiten usw. kümmerte und der dann in der Veranstaltungsleitung ein begabter und aus seiner pädagogischen Arbeit auch qualifizierter Moderator war.Wenn er eher selten Vorträge hielt, lag das an seiner Hörbehinderung, aber wahrlich nicht an mangelnder Sachkenntnis. Über die Jahrzehnte hatte er sich eine reiche und wertvolle Albanien-Bibliothek aufgebaut, und in Diskussionen zeigte sich immer wieder, was für ein kompetenter Kenner Albaniens und des albanischen Volkes er war.Seine Liebe war Albanien, aber sein Leben war von diesem Thema nicht allein beherrscht. Er setzte sich für die Kurden ein und engagierte sich in der politischen Bildungsarbeit.

Dietmar Kurzeja war nicht nur ein Freund Albaniens, er war in erster Line ein guter und liebenswerter Mensch. Die Nachricht von seinem Tod erschüttert nicht nur seine Freunde in Deutschland; auch in Albanien und in anderen Ländern, in denen Albaner leben, werden viele Menschen um ihn trauern. Nicht nur die DAFG, sondern alle, denen etwas an Albanien liegt, sind ärmer geworden.Wir sind mit unseren Gedanken bei seiner Familie.

Der Vorstand der DAFG

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