Erklärung zur Unabhängigkeitserklärung der Republik Kosova

27. Februar 2008 | Von | Kategorie: Verein

Freundschaftspins-Deutschland-KosovoErklärung des Vorstandes der DAFG zur Unabhängigkeitserklärung der Republik Kosova

Am 17. Februar 2008 hat das Parlament von Kosovo die Unabhängigkeit der Republik Kosova ausgerufen.

Die Deutsch-Albanische Freundschaftsgesellschaft hat dem Parlament und dem gesamten Volk des jüngsten europäischen Staates zu diesem historischen Ereignis ihre Glückwünsche ausgesprochen. Wir teilen die Freude der Albaner in und außerhalb von Kosovo über diesen Wendepunkt ihrer leidvollen Geschichte und haben in der Vergangenheit immer wieder deutlich gemacht, dass es keine Alternative zum Selbstbestimmungsrecht der Kosovaren geben kann.

Nach 95 Jahren ist damit endlich ein historisches Unrecht beseitigt worden, das im I. Balkankrieg 1913 seinen tragischen Anfang genommen hat, als die Bevölkerung der mehrheitlich albanischen Siedlungsgebiete nur zum Teil das Recht auf Selbstbestimmung und auf Schaffung eines eigenen Nationalstaates wahrnehmen konnte, während mit internationaler Rückendeckung das Königreich Serbien das Kosovo unter brutaler Gewaltanwendung unter seine Herrschaft brachte. Das spätere Jugoslawien (das „Land der Südslawen“) behandelte die Albaner als Fremdkörper und verwehrte ihnen die Rechte, die es seinen anderen nicht slawischen Minderheiten einräumte. Die vermeintliche „Befreiung“ durch die italienischen und deutschen Besatzer schuf neues Unrecht, für das viele unschuldige Albaner nach der Rückgliederung des Kosovo ins titoistische Jugoslawien teuer bezahlt haben.

Erst in den 70er Jahren besserte sich die Lage umfassend, doch auf die berechtigte Forderung nach der Umwandlung der autonomen Region in eine siebte Teilrepublik Jugoslawiens reagierte der Staat mit Repression, Terror und schließlich der Aufhebung der Autonomie – mit allen Konsequenzen für die Menschen. Über rund 10 Jahre hinweg boten die Kosovo-Albaner der Welt ein Musterbeispiel für zivilen Widerstand, für den sie nicht belohnt wurden.

Die internationale Gemeinschaft wurde sich dieser Krise erst bewusst, als die verzweifelten Menschen in Kosovo zum bewaffneten Widerstand übergingen. Die damalige jugoslawische Regierung verweigerte sich allen Vermittlungsversuchen und nahm lieber einen Krieg und eine Massenvertreibung in Kauf, wie es sie in Europa seit 50 Jahren nicht mehr gegeben hatte. Die Menschen in Kosovo haben einen hohen Preis an Toten, Verletzten und zerstörten Biographien erbringen müssen, auch diejenigen, die nicht in der UÇK gekämpft haben. Viele erleben die Unabhängigkeit Kosovos nicht mehr.

Der Weg Kosovos unter der UN-Verwaltung seit 1999 war schwierig und auch von Rückschlägen geprägt. Niemand kann annehmen, dass die staatliche Unabhängigkeit die Lösung aller Probleme bedeutet. Der jüngste europäische Staat wird bis auf weiteres auch der ärmste sein, jedoch bietet die Unabhängigkeit bessere Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum und ein menschenwürdiges Auskommen für die Bewohner des Kosovo.

Die Geburt eines neuen Staates erfolgt nur selten einvernehmlich. Aber auch die Kosovo-Serben sollten sich den Realitäten nicht auf Dauer verweigern, sondern ihre verfassungsmäßig garantierte Rolle als gleichberechtigte Bürger des neuen Staates und als Minderheit mit weitgehenden Rechten wahrnehmen und sich am Aufbau dieses Staates beteiligen.

Galt es beispielsweise noch für die Generation unserer Großeltern als gesicherte Erkenntnis, dass Deutsche und Franzosen auf ewig miteinander verfeindet seien und somit ganz Europa regelmäßig in ihren Konflikt hinein ziehen würden, so ist heute der deutsch-französische Schüleraustausch ebenso selbstverständlich wie der gemeinsame Dienst in der KFOR und in der UNMIK-Polizei.

Mit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo verbinden wir auch die Erwartung auf eine friedliche Entwicklung. Wir hoffen, dass sich das Verhältnis zwischen Serben und Albanern durch die Phasen der Trennung, der Nachbarschaft und der Partnerschaft hin zur Freundschaft entwickeln wird.

Das wird nicht von heute auf morgen geschehen. Aber die Klärung des Status von Kosovo, die wechselseitige Verantwortung für die Minderheiten und ein gemeinsames Leitbild ziviler Bürgergesellschaften mit europäischen Standards werden den Weg dahin erleichtern. Dieses Ziel kann nur in gemeinsamer Verantwortung Kosovos, Serbiens, Albaniens, des Balkans und ganz Europas erreicht werden.

Die Deutsch-Albanische Freundschaftsgesellschaft wird sich als Teil der deutschen Öffentlichkeit weiter darum bemühen, einen kleinen Beitrag zu diesem Ziel zu leisten.

Der Vorstand der DAFG

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