Die „Affäre Djuraskovic“ belastet albanisch-jugoslawische Beziehungen

27. Mai 2007 | Von | Kategorie: Kalenderblatt

Am 27. Mai 1927 nimmt die Polizei Vuk Djuraskovic, einen aus Montenegro stammenden albanischen Bürger der während des I. Weltkriegs Sekretär von Esat Pasha Toptani und Bürgermeister von Durrës während der serbischen Besatzung war, fest. Djuraskovic wird vorgeworfen als Angestellter der jugoslawischen Gesandtschaft Spionage gegen Albanien betrieben zu haben.

Albanien schloss den sogenannten 1. Tiranapakt mit Italien am 27. November 1926 und wurde mit diesem „Freundschafts- und Sicherheitspakt“, de facto zum italienischen Protektorat, was die Hoffnungen Jugoslawiens durchkreuzte, den südlichen Nachbarn stärker an sich zu binden. Die Beziehungen zwischen Jugoslawien und Albanien spitzen sich Anfang 1927 zu. Die jugoslawische Regierung nutzte die jetzt gebotene Gelegenheit und protestiert scharf gegen die Verhaftung Djuraskovics; als Beschäftigter der diplomatischen Vertretung genieße er diplomatische Immunität. Sie fordert seine sofortige Freilassung und Genugtuung für den völkerrechtswidrigen Akt. Der albanische Außenminister Iljaz Bej Vrioni erklärt, die jugoslawische Seite habe nie die Genehmigung der albanischen Regierung für die Einstellung Djuraskovics eingeholt. Präsident Ahmet Bej Zogu bietet am 1. Juni die Freilassung Djuraskovics an, verlangt dafür aber eine Rücknahme der jugoslawischen Protestnote, was der jugoslawische Außenminister Marinkovic ablehnt. Am 4. Juni bricht Jugoslawien die diplomatischen Beziehungen zu Albanien ab.

Nachdem Mussolini seinen Einfluss geltend macht, wird Djuraskovic am 3. Juli freigelassen, die Protestnote wird entschärft. Am 26. Juli werden die diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen. Zogu gibt seinen Schwager und Gesandten in Belgrad, Ceno Bej Kryeziu Mitschuld an die entstandene Krise und tauscht ihn gegen Tahir Shtylla. Der ambitionierte Kryeziu wurde nach Prague versetzt, aber dieser missachtet die Anweisungen und bleib vorerst in Belgrad. Es wird kolportiert, dass er mit jugoslawischer Unterstützung die Macht in Albanien anstrebe. Kryeziu ist erst Anfang Oktober nach Prague gereist wo er am 14. Oktober 1927 von dem albanischen Studenten Alqiviadh Bebi erschossen wurde. Der Verdacht, Zogu habe seinen proserbischen Schwager beseitigen lassen, wird nie ausgeräumt.

 

 

 

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